Südmexiko-Newsletter Juni / Juli 2026

HINWEIS IN EIGENER SACHE

Veranstaltung am No Borders No Nations Festival in Bern am 21.08.26 um 19:30 – 21:00 Uhr

„el común“ – Organisierung und Widerstand im Süden Mexikos

Im Süden Mexikos wehrt sich die indigene Bevölkerung mit kollektiver Organisierung und dem Aufbau von gemeinschaftlichem Leben gegen den kapitalistischen Sturm. Gegen Zerstörung und Krise, mit dem Kampf für das Leben.
Der Widerstand gegen die kolonialistische und kapitalistische Ausbeutung in Chiapas, dem südlichsten Bundesstaat Mexikos, hat eine lange Geschichte. Seit dem Aufstand der Zapatist*innen 1994 haben sich viele globale Krisen zugespitzt und im Süden Mexikos treibt die neoliberale Regierung mit Megaprojekten die Zerstörung weiter voran. Dagegen wehrt sich die indigene Bevölkerung mit kollektiver Organisierung und dem Aufbau von gemeinschaftlichem Leben. „el común“ bezeichnet diese Vision, die in vielen indigenen Gemeinden in Chiapas täglich in die Praxis umgesetzt wird.
Nach einem kurzen Überblick über die aktuelle politische Lage im Süden Mexikos hören wir Berichte von Aktivist*innen, die diesen Frühling vor Ort waren und diskutieren im Anschluss gemeinsam über die Perspektive, die uns „el común“ bieten kann.
Infos: https://www.nbnn.ch/programm/

Am 03. und 25. Oktober 2026: Vorbereitungskurs für zivile Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas. Interessierte melden sich unter: bricos@chiapas.ch

CHIAPAS

Eine Klinik für alle im mexikanischen Regenwald
Gesundheit ist ein Menschenrecht – das für viele nicht gilt. Im mexikanischen Bundesstaat Chiapas werden indigene Gemeinden systematisch von der medizinischen Versorgung ausgeschlossen. Auch deshalb rebelliert dort seit 1994 die zapatistische Bewegung. Seither kämpfen sie für ein gutes Leben, Würde und Gerechtigkeit.
Nun haben die zapatistischen Gemeinden mitten im Regenwald mit dem Bau einer eigenen Klinik begonnen: Gynäkologie, Labor, zahnärztliche Versorgung – selbstverwaltet und offen für alle. Mit Unterstützung solidarischer Initiativen, auch von medico international, verteidigen sie das Recht auf Gesundheit dort, wo der Staat versagt.
Während uns angesichts der Lage der Welt vielerorts Ohnmacht und Lähmung begegnen, birgt die zapatistische Autonomie mehr als abstrakte Hoffnung. Unterstütze die gesundheitliche Selbstbestimmung in Chiapas.
Den Spendenaufruf, Interviews und Hintergrund sind hier zu finden: https://www.medico.de/klinik-fuer-alle

Serie von EZLN-Communiqués ab Mai 2026 unter anderem zum Gemeinschaftstraktor und KI (stochastischer Papagei) und Aufrufe:

Teil VII. – Betrachtungen des Oben. Die Ordnung ist die Ordnung von oben – 05.06.26
Teil VIII. – Fragen. (sowie neue Mail-Adressen, um sich zu registrieren) 14.06.26
Teil IX. und letzter Teil: Der seltsame, einzigartige Fall des verrückten Papageien und die vergessenen Superhelden. 17.06.26

20. Juli – 25. Juli 2026: Semillero [Saatfeld-Seminar]: Krieg gegen die Menschheit (Die Bevölkerungen und die Natur unter Belagerung). CIDECI-UniTierra [San Cristóbal de Las Casas, Chiapas].

Im August: Treffen der Kunst sowie des Widerstands und der Rebellion im August 2026.. ResignArte u OrganizArte – Resignieren oder Dich Organisieren. Daten und Orte. die Daten des Treffens der Künste sowie des Treffens der Widerstände und Rebellionen

Die Communiqués sind auf Spanisch oder in Deutscher Übersetzung zu finden auf: https://enlacezapatista.ezln.org.mx/

OAXACA

San Dioniso Ocotepec kämpft um sein Wasser (10.07.26)
Seit Jahren kämpfen die Gemeinden im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca mit zunehmendem Wassermangel. Die durch die sich verschärfende Klimakrise verursachte andauernde Trockenheit lässt in vielen Orten die Grundwasserleiter versiegen, was die lokale Wasserversorgung gefährdet. Im Winter 2023/24 brach in vielen Gemeinden des südmexikanischen Bundesstaates Oaxaca die Wasserversorgung zusammen. Die nationale Wasserbehörde CONAGUA warnte vor akuter Wasserknappheit in der Hauptstadt Oaxaca de Juárez. Ursache: Aufgrund der Klimakrise kommt es zu mehr und längeren Dürreperioden. Wegen des fehlenden Regens versiegen Grundwasserleiter und trocknen Speicherbecken aus. Um dem etwas entgegenzusetzen, gründete sich das „Foro oaxaqueño del agua“ – das Wasserforum Oaxacas. Laut Projektkoordinator Mauricio del Villar gehören dem Wasserforum Behörden, Kommunen, Akademiker*innen und vor Ort lebende Menschen an, die auf regelmäßigen Treffen über das Thema Wasser diskutieren.
Weiterlesen: https://www.npla.de/thema/umwelt-wirtschaft/san-dioniso-ocotepec-kaempft-um-sein-wasser/

MEXIKO

Die Gewalt überleben. Ein Podcast über die internationale Notlage in Mexiko. Übersetzt und eingesprochen vom NPLA

  • Die Brigadisten (06.07.26)

    Seit dem Aufstand der Zapatisten kommen internationale Freiwillige als Menschenrechts-Beobachter*innen nach Mexiko. Im Februar 1995 wurden im Menschenrechtszentrum „Fray Bartolomé de las Casas“ die BRICOS gegründet, die „Brigadas Civiles de Observación“, sog. zivile Beobachtungsbrigaden. Bis heute sind die Brigadisten in Süd-Mexiko präsent – ein Beleg dafür, dass sich die Lage in den letzten dreißig Jahren nicht verbessert, sondern verschlechtert hat.

    Weiterlesen und Podcast: https://www.npla.de/thema/repression-widerstand/die-brigadisten/
  • Die Menschenrechtsaktivistinnen (06.07.26)

    Können Sie sich vorstellen, dass Sie eines Tages ihr ganzes Leben in einen Koffer packen und von zuhause flüchten müssen, um Ihr Leben zu sichern? Menschenrechtsaktivistinnen wie Regina Zoé Magallón in Mexiko fürchten um ihr Leben und müssen ihr Land oft verlassen, ohne die Chance zurückzukehren. Mexiko hat sich zu einem der gefährlichsten Länder für Journalisten sowie Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger entwickelt.

    Weiterlesen und Podcast: https://www.npla.de/thema/feminismus-queer/die-menschenrechtsaktivistinnen/

Mexiko zeigt ICE nach 17 Todesfällen von Landsleuten an (11.07.26)
Die mexikanische Regierung hat angekündigt, dass sie in den USA Strafanzeige wegen des Todes von 17 mexikanischen Staatsangehörigen einreichen wird. Seit letztem Jahr starben 14 Mexikaner unter ungeklärten Umständen im Gewahrsam der Einwanderungsbehörde, drei weitere wurden während Einsätzen von ICE getötet. Der jüngste Fall ereignete sich am 7. Juli in Houston: Der Familienvater Lorenzo Salgado Araujo wurde auf dem Weg zur Arbeit erschossen.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/07/288287/mexiko-klagt-gegen-ice

Nach dem gewaltsamen Tod von Lorenzo Salgado Araujo fordern Familie und Aktivisten eine unabhängige Untersuchung. Mexikanische Regierung kündigt Klagen gegen ICE an
Quelle: Channel Draw, Gianluca Costantini

Mexiko plant Ölexporte nach Kuba über Privatfirmen (29.06.26)
Die mexikanische Regierung plant, die Öllieferungen nach Kuba wieder aufzunehmen. Dies erklärte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum in einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche. Laut der Präsidentin geht es dabei nicht um humanitäre Hilfe, sondern um einen Handelsaustausch, der die in Kuba beschlossenen neuen Reformen nutze und mexikanische Unternehmen mit einschließt. „Es handelt sich nicht um eine humanitäre, sondern um eine wirtschaftliche Frage. Mit den neuen, vom kubanischen Kongress und der Regierung genehmigten Bestimmungen können nun engere Handelsbeziehungen mit mexikanischen Unternehmen in Kuba aufgebaut werden.“
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/06/287379/mexiko-kuba-oel

Mexiko schickt Rettungsteams ins erdbebenbetroffene Venezuela (26.06.26)
Auch zivile Helfer und Material sollen in das Krisengebiet gebracht werden. Ziel ist die Suche nach Überlebenden

Die zivile Rettungsgruppe Los Topos de México kündigt in einer Solidaritätsbotschaft mit Venezuela ihren Rettungseinsatz an
Quelle: Brigada de Rescate Topos Tlaltelolco A.C.


Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela hat Mexiko Rettungsteams entsandt. Die erste Brigade besteht aus 250 Soldaten, fünf Suchhunden, vier Flugzeugen, einer Drohne, Ausrüstung für Such- und Rettungsmaßnahmen sowie medizinischer Versorgung. Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte am Donnerstag an, dass diese Brigade noch am selben Tag nach Venezuela fliegen würde. Die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez rief kurz nach den Beben der Stärke 7,2 und 7,5 auf der Richterskala den nationalen Notstand aus und bedankte sich ausdrücklich für die Solidarität Mexikos.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/06/287075/erdbeben-suchtrupps-venezuela

Mexiko führt kostenlose medizinische Grundversorgung für alle Kinder ein (16.06.26)
Es gibt sie: die guten Nachrichten, die positiven Veränderungen und Aufwärtstrends für Kinder und Familien. In einer Welt, die oft reflexartig auf das Negative schaut, berichten die SOS-Kinderdörfer in den Good News über das, was uns aufrichtet.
Mexiko führt ab 2027 eine flächendeckende, kostenlose Gesundheitsversorgung für Minderjährige und Erwachsene ein. Anders als bisher haben Kinder dann unabhängig vom Beschäftigungs- und Versicherungsstatus ihrer Eltern in jeder Gesundheitseinrichtung Anspruch auf Behandlung. Der sogenannte ,Servicio Universal de Salud‘, der allgemeine Gesundheitsdienst, soll zudem den Zugang zu Impfprogrammen und, vor allem in ländlichen Regionen, den Erhalt von Kindermedikamenten erleichtern.
Weiterlesen: https://www.sos-kinderdoerfer.de/informieren/aktuelles/news/gesundheit-von-mexikanischen-kindern

ANDERE REGIONEN MEXIKOS

SINALOA

Indigene Proteste stoppen deutsch-schweizerische Chemiefabrik in Mexiko (17.06.26)
Nach einer Demonstration blockieren Anwohner alle Zufahrten zum Werk in Topolobampo, Sinaloa. Umweltministerium prüft Schäden und Genehmigungen
Indigene Gemeinden der Mayo-Yoreme haben alle Zufahrtsstraßen zu einer im Bau befindlichen Chemiefabrik im nordmexikanischen Sinaloa blockiert. Sie verhindern damit den Transport von Baumaschinen und den Zugang von Personal zur Ammoniakfabrik in der Bucht von Ohuira, einem Naturschutzgebiet an der Pazifikküste. Der erzwungene Baustopp ist die jüngste Eskalation in einem jahrelangen Konflikt um das von der staatlichen deutschen KFW IPEX-Bank mit 860 Millionen Euro mitfinanzierte Großprojekt des schweizerisch-deutschen Konsortiums Proman.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/06/286486/indigene-gegen-chemiefabrik

MEXIKO-STADT

Ex-Pemex-Chef in Mexiko wegen häuslicher Gewalt festgenommen (10.07.26)
Ehefrau machte Aufnahmen der Misshandlung publik. Sheinbaums Regierung kündigt Strafe an
Der ehemalige Generaldirektor von Petróleos Mexicanos (Pemex) ist in Mexiko-Stadt wegen häuslicher Gewalt festgenommen worden. Die Verhaftung von Víctor Rodríguez Padilla erfolgte nach einer Anzeige seiner Ehefrau María Felicia Jiménez Lavie. In einem von ihr Anfang Juli veröffentlichten Überwachungsvideo ist zu sehen, wie Rodríguez sie in Anwesenheit der Kinder wiederholt schlägt.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/07/288252/pemexdirektor-haeusliche-gewalt

VERACRUZ

In Córdoba prangerten Journalisten die Gewalt gegen ihre Kollegen an
Quelle: Presente Veracruz 0ficial

Neuer Mord an Journalisten in Mexiko (15.06.26)
Verbände verurteilen Serie von Attentaten. Anzeige gegen Polizisten einer der Ermittlungsansätze. Weitere Journalistin verschwunden
Der Journalist Luis Ángel López Valdez ist in der Stadt Poza Rica im mexikanischen Bundesstaat Veracruz von bewaffneten Männern erschossen worden. Der 33-Jährige war für die Zeitung Vanguardia de Veracruz tätig und leitete das digitale Nachrichtenmedium Reportaje Policiaco Veracruzano, wo er über die Kriminalität im Bundesstaat Veracruz berichtete.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/06/286367/journalist-mexiko-mord

ZUM THEMA FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT 2026

Vier Menschen sterben bei FIFA-WM-Feiern in Mexiko-Stadt (02.07.26)
Nach dem 2:0-Sieg Mexikos gegen Ecuador und dem Einzug ins Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft sind in Mexiko-Stadt mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Die Tragödie ereignete sich in der Nacht zum Dienstag während der Feiern am Ángel de la Independencia und am Paseo de la Reforma.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/07/287835/fifa-mexiko-tote

Kritik an Steuererlassen für die Fifa zur WM in Mexiko (29.06.26)
Soziale Organisationen aus Mexiko kritisieren im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft die Steuererlasse für die Fifa und die hohen sozialen Kosten für das lateinamerikanische Land. Mexiko gewährte der Fifa bereits im Bewerbungsprozess für die Fußball-Weltmeisterschaft umfangreichere Vergünstigungen als die Mitgastgeber USA und Kanada. Die steuerlichen Sonderregelungen gelten nicht nur für die Fifa, sondern auch für Auftragnehmer, Zulieferer und Dienstleister, die vertraglich an die Weltmeisterschaft gebunden sind.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/06/287009/beguenstigungen-fifa-mexiko-steuer

Fußball-WM in Mexiko: Impressionen der Proteste (13.06.26)
Zusammenstöße vor dem Stadion. Polizei stoppt viele Demozüge. Soziale Gruppen holen sich den Sport zurück
Die Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer hat vielen sozialen Gruppen eine Bühne für Proteste geboten. Laut den Behörden kam es in Mexiko-Stadt zu neun Demonstrationszügen, 26 Kundgebungen und zwei Fahrraddemos. Die Forderungen sind so divers wie die protestierenden Gruppierungen. Sie umfassen unter anderem höhere Löhne für Lehrkräfte, Maßnahmen gegen die Wasserknappheit und mehr staatliche Unterstützung bei der Suche nach gewaltsam Verschwundenen.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/06/286280/mexiko-proteste-fifa-cdmx

Im Schatten der FIFA-WM: Angehörige von Verschwundenen demonstrieren in Mexiko (11.06.26)

Die Demonstrierenden zogen auf einer der Hauptverkehrachsen der Hauptstadt in Richtung des Aztekenstadtions
Quelle: Jasper Koch


Kollektive wehren sich gegen das Vergessen. Kundgebungen gegen Vertreibung, Wassermangel und steigende Militärpräsenz. Ein Bericht aus Mexiko-Stadt
Am Abend vor dem Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft der Männer haben Hunderte Menschen in Mexiko-Stadt gegen das gewaltsame Verschwinden im Land protestiert. Die Demonstrierenden gehören zu Kollektiven der „Madres buscadoras“ (Suchende Mütter). Zahlreiche Gruppen und Organisationen suchen nach den über 133.000 verschwundenen Menschen in Mexiko (amerika21 berichtete).
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/06/286176/wm-mexiko-demo-angehoerige-von-vermissten

HINWEISE

24. Juli: Ali Gua Gua Konzert ab 21.30 im Ziegel Zürich. Infos unter: https://ziegelohlac.ch/veranstaltung/ali-gua-gua-konzert-ab-21-30-im-ziegel/

07. – 09. August: Anarchistische Büchermesse, KuZeB Bremgarten / AG