Aktuelles zu Café Rebeldía

Reisebericht aus Chiapas/Südmexiko, Februar 2026

Im Februar 2026 war ich von der Direkten Solidarität mit Chiapas nach Längerem wieder in Mexiko und besuchte einerseits die Kaffeekooperativen und andererseits die zivilen Organisationen, die wir aktuell unterstützen. Ermöglicht wird diese Unterstützung durch den Solibeitrag, den wir durch den Verkauf des Café RebelDias erhalten.

Der direkte Austausch war sehr bewegend und mir wurde bewusst, dass er durch nichts zu ersetzen ist. Im gegenwärtig sehr herausfordernden gesellschaftlichen Kontext sind direkte Begegnungen, Feldbesuche und geteilte Erfahrungen umso wertvoller.
Im ersten Teil erzähle ich von unserem Besuch bei der zapatistischen Kaffeekooperative Yachil, und im zweiten Teil versuche ich, auf die aktuellen Schwierigkeiten einzugehen, die sich insbesondere all jenen bieten, die sich im Widerstand befinden und ihr Leben woanders als im kapitalistischen System (das die Zapatistas als Hydra mit vielen Köpfen beschreiben).

Besuch bei der Kooperative Yachil Xojobal Chulchán
Der Vorstand der Kooperative empfing uns, Compas von La Libertaria (Italien) und Aroma Zapatista (Deutschland), die ebenfalls Kaffee von Yachil importieren, und jemanden von der Kollektiven Kaffeerösterei La Gota Negra (Hamburg) und mich, in ihrem Büro in San Cristóbal de las Casas. Sie erzählten über ihre aktuelle Situation und wir konnten ihnen Fragen zu ihrer Struktur und Arbeitsweise stellen.
Dabei zeigte sich, dass das Phänomen der Abwanderung in den Norden (sprich USA) auch in Chiapas, nicht nur in Zentralamerika, eine grosse Herausforderung für die zapatistische Bewegung und damit auch die Kooperative Yachil darstellt. Und auch innerhalb der zapatistischen Bewegung, oder eben bei Yachil. So verliessen z.B. Mitglieder die Kooperative, weil ihre Kinder in die USA gingen und sich der Kaffeeanbau nicht mehr lohnte, da sie mehr Geld von ihren Kindern aus den USA bekommen.

Der Umgang mit Personen, die die zapatistische Bewegung und die Kooperative verlassen, muss daher den Umständen angepasst werden. So erzählte uns der Vorstand von Yachil, dass es zwar allgemeine Entscheide dazu gibt, es aber in den zapatistischen Entscheidungsstrukturen die letztendliche Autorität die Comunidad (Gemeinde) selbst ist, die entscheidet, unter welchen Umständen Personen bei ihrer Rückkehr wieder in die Struktur der Kooperative aufgenommen werden. Während früher ein Wiedereintritt in die Bewegung ausgeschlossen war, seien heute gewisse Gemeinden notgedrungen offener geworden.

Vom Cafetal…
Am Folgetag besuchten wir einen Cafetal (Kaffee-Parzelle) im zapatistischen Verwaltungsbezirk von Oventic. Nach einer eindrücklichen Fahrt von 2.5 Stunden durch das chiapanekische Hochland kamen wir schliesslich an. San Cristóbal ist längst kein kleines Städtchen mehr, sondern ist die zahlreichen Hügel hinaufgewachsen, die die Stadt umgeben. Auffallend waren die, im Verhältnis zu den anderen, monumentalen, an Hollywood-Filme erinnernden Häuser ausserhalb der Stadt, in grellen Farben gestrichen und mit ornamentierten Säulen versehen. Dies seien die «casas norteñas», mit dem Geld von jenen erbaut, die in den Norden gingen. Etliche der gestrichenen Häuser indes gehören Personen, die offenbar Geld von der Regierung annahmen.

Die Sonne brannte schon. Flach war es nur ganz unten im Tal, aber die Gemeinde, zu der wir fuhren, lag an einem steilen Bergrücken. Die Ernte war hier schon vorbei, weswegen wir kaum Kaffeekirschen zu sehen bekamen. Im Schatten der hohen Bäume, die den Kaffeesträuchern Schatten spenden, erklärte der Kaffeebauer der Parzelle, welche Arbeit wann anfällt, und worauf geachtet werden muss. Auf dem Vorbeiweg kamen wir an einem Kaffeefeld eines Produzenten vorbei, der nicht von Yachil war. Seine Kaffeebäume wuchsen sehr üppig, darunter aber gar nichts: Die Biodiversität war hier deutlich kleiner. Nicht weit entfernt sahen wir eine leere Herbizidflasche liegen.

…zum Centro de Acopio…
Daraufhin fuhren wir zum Acopio in der Nähe – hierher bringen die Produzenten dieses Bezirks den Pergamin-Kaffee, und hier wird er von der Kooperative gekauft. Gerade warteten sie auf den riesigen Sattelschlepper, der am Folgetag eine Ladung von 400 Kaffeesäcken zum Beneficio Seco bringen wird, wo er weiterverarbeitet wird: Der café de oro (sprich die grössten Bohnen) wird grösstenteils exportiert, während die sogenannte «zweite Qualität» hauptsächlich in Mexiko verkauft wird.
Wir stellten uns den anwesenden Produzenten kurz vor und konnten ihnen unseren Dank für ihre Arbeit aussprechen.

…bis zum Beneficio Seco.

Gleichentags ging es noch weiter zur grossen Lagerhalle (beneficio seco), wo der Kaffee der gesamten Kooperative selektioniert und für den Transport resp. Export bereit gemacht wird. Die dort zuständigen Maschinisten erklärten uns den Ablauf, in welchen gut 10 Maschinen involviert sind. Ausserdem verfügt Yachil in einem Nebengebäude über eine kleine Röstmaschine. Dort konnten wir einen Röstdurchgang mitverfolgen, was insbesondere für die Röstenden unter uns sehr interessant war.

Bild: Unterwegs zum Cafetal in Las Delicias, das zum Bezirk El Bosque gehört.

Aktuelle Situation
Das Ausbreiten resp. das Verschieben der Drogenkartelle in Chiapas und die Migration in den Norden sind zwei Themen, die uns gegenüber immer wieder erwähnt wurden und die auch bei uns in der Schweiz immer wieder Schlagzeilen machen.

Seit einigen Monaten ist es in Chiapas wieder ruhiger geworden, was die Drogenkartelle betrifft. Dies hat, so die Auffassung von vielen Diskussionspartner:innen, damit zu tun, dass der jetzige Gouverneur von Chiapas, Eduardo Ramírez Aguilar, selbst mit dem Sinaloa-Kartell verbandelt ist. Dass also Absprachen laufen, um den Anschein zu erwecken, alles sei unter Kontrolle. Aber das Kartell ist nach wie vor präsent, wenn auch weniger sichtbar. In der Grenzregion zu Guatemala gibt es immer noch viele Menschen, die durch die Kartelle vertrieben wurden und nicht zurückkehren können.

Auch um die Migration ist es seit der repressiven Politik von Trumps Regierung in den USA ruhiger geworden. Viele Personen, die aus verschiedensten Ländern in Zentral- und Südamerika, der Karibik oder sogar Afrika auf dem Weg in die USA waren, sind durch die Schliessung der Grenzen in Mexiko gestrandet. Sie warten auf eine Legalisierung ihres Status und leben marginalisiert und besonders vulnerabel in Mexiko. Auch kommen viele Menschen zurück, weil sie von der berüchtigten Migrationspolizei der USA ausgeschafft werden. Das ist einerseits für Personen, die zum Teil einen Grossteil ihres Lebens in den USA waren, schwierig, andererseits auch für die Gemeinschaften in Mexiko, da sie auf die Rückkehr vieler, manchmal betagter Einwohner:innen schlecht vorbereitet sind.

Megaprojekt: Autobahn «Carretera Ruta de las Culturas Mayas»
Anhand des Megaprojekts der Autobahn, die San Cristóbal de las Casas mit Palenque verbinden soll, versuchen wir, ein Bild der gegenwärtigen Situation und ihrer Herausforderungen zu zeichnen.

Mehrere Organisationen aus der Zivilgesellschaft organisierten am 28. Februar 2026 in San Cristóbal eine Veranstaltung zum Thema, wo sie über ihre «Karawane» in die betroffene Region von Palenque, Salto de Agua und Chilon berichteten.
Den Plan des Megaprojekts einer Schnellverbindung zwischen den oben genannten Städten gibt es schon seit über zehn Jahren. Nun hat die Regierung von Chiapas im Juni 2025 bei Palenque mit dem Bau der Autobahn begonnen. Die genaue Streckenführung wurde jedoch nie bekannt gegeben, sondern immer nur einzelne Abschnitte, bis jetzt die ersten beiden. Dies nicht von ungefähr. Es macht es für die betroffenen Gemeinden, den organisierten Widerstand und die Zivilgesellschaft schwieriger, sich dagegen zu wehren. Und erst im Oktober 2025 wurde ein Bericht über mögliche Folgen für die Umwelt veröffentlicht, in welchem es hiess, das Projekt sei unbedenklich.

Im öffentlichen Diskurs verspricht die Regierung den Gemeinden mehr Fortschritt, bessere Anschlussmöglichkeiten und Profit vom Tourismus. Damit wird das kapitalistische Modell als einziger Weg der Entwicklung propagiert und indigene Lebens- und Wirtschaftsweisen implizit als rückständig dargestellt. Die indigenen Gemeinschaften werden für die Vermarktungszwecke im Rahmen des Tourismus der Regierung missbraucht, erfahren aber selbst Rassismus, Diskriminierung und Ignoranz.

Beim Bau des ersten Abschnittes wandte man alle möglichen Tricks an, um an das Bauland zu kommen. So drohte man, die Landbesitzer:innen würden gar nichts bekommen, wenn sie ihr Land nicht hergeben würden. Auch gab es keine vorherige Konsultierung der Bevölkerung zum Projekt, die bei solchen Projekten vorgeschrieben wäre. In etlichen Gemeinden wurde den Leuten gesagt, sie hätten über das Programm «Sembrando Vida» bereits Geld für ihr Land erhalten. Das ist ein Programm, von denen gewisse «marginalisierte» Gruppen in ganz Mexiko profitieren können.

Andere Betroffene entdeckten frühmorgens, dass ihr Land abgesteckt war, ohne dass sie vorher informiert worden wären. Des Weiteren erhielt die betroffene Bevölkerung selektive Informationen, das heisst, nicht alle erhielten die gleichen Informationen und einige wurden gar nicht informiert. Die Bevölkerung wird so gespalten und sich dagegen zu wehren wird viel schwieriger.
Klar lässt die derzeitige Verbindung zwischen San Cristóbal und Palenque zu wünschen übrig, und zu Recht gibt es auch ein Bedürfnis, diese Verbindung zu verbessern; aber nicht so!

Die Auswirkungen
Die genaue Streckenführung ist unbekannt. Aber dank den Investigationen und Gesprächen der Karawane mit der Bevölkerung vor Ort gelang es, etliche Teile der Streckenführung herauszufinden.

Ein wichtiger Aspekt ist die Frage des Wassers, respektive des Grundwassers und den Quellen. Ein bestimmter Abschnitt war z.B. so geplant, dass er nahe an mehreren Quellen vorbeigeführt hätte, wovon ein riesiges Gebiet betroffen gewesen wäre. Für gewisse Regionen könnte dies Wasserknappheit oder -verschmutzung bedeuten. Nun ist man daran, mit den Behörden in Kontakt zu treten, um das zu verhindern.
Der alleinige Bau der Autobahn, mit der benötigten Fläche und den Hügeln und Bergen, die abgebaut oder durchtrennt werden müssen, bedeutet in erster Linie für das Ökosystem eine Katastrophe. Aber auch für den Lebens- und den Kulturraum der Menschen, von denen viele als Selbstversorger leben und wofür sie ihr Land brauchen.

Der Wert der landwirtschaftlichen und gemeinschaftlichen Arbeit in den Gemeinden verändert sich, wird monetarisiert: Die Arbeit als Selbstversorgende und die anderen kleinen Jobs reichen nicht mehr, sie müssen sich woanders ein Einkommen suchen.
Der Tourismus kehrt ein – doch nicht überall. Immobilien werden erstellt – aber von denen, die bereits Geld haben. Die Preise für das Land steigen. Andere wiederum sind total abgehängt. Jene Familien, die ihr Land verkauft haben, finden dann Arbeit in Hotels, einer Fabrik oder Monokultur, die es dank den Tourist:innen und der schnelleren Anschlüsse gibt. Eine andere Kultur wird hier aufgezwungen.

 

Ausblick
Neben der Autobahn zwischen San Cristóbal de las Casas gibt es in ganz Mexiko noch viele andere Megaprojekte, an denen die oben erwähnten Herausforderungen manifest werden. Gleichzeitig gibt es aber auch viele verschiedene Menschen und Organisationen, die sich dagegen wehren. Um von allen zu berichten, fehlt hier leider der Platz…

Hoffen wir, der Widerstand wächst – und die Arbeit der Karawane trägt Früchte!

Auch wir bleiben dran. Die direkten Begegnungen helfen enorm, den jeweiligen Kontext wie auch die Veränderungen besser zu verstehen und solidarische Unterstützung zu leisten.

Auf der Homepage von Aroma Zapatista (Hamburg) ist ebenfalls ein sehr lesenswerter Reisebericht über den Besuch bei den Organisationen Frayba und Desmi sowie den Kooperativen Yachil und Yochin (von letzteren importieren wir keinen Kaffee) zu lesen. Schaut rein:

https://aroma-zapatista.de/blog/tagebuch-unserer-reise-zu-den-zapatistischen-kaffeebauer-innen#6-2

Eine Aktivistin der Direkten Solidarität mit Chiapas

Fein fair fuerte – Espresso RebelDía und eine neue Kooperative

März 2022. Wie bereits im August 2021 angekündigt, ist es nun soweit. Cafe RebelDía wird neu aufgemischt und erhält nach gut 22 Jahren eine rebellische Compañera.

Als Premiere und vorerst in begrenzter Auflage verkaufen wir nun also auch Espresso RebelDía ! Es hat, solange es hat !

Mit der Kooperative Corazón de la Montaña (Tepeyolo, dt. Herz des Berges) aus Puebla haben wir neu die Möglichkeit, nicht nur Arabica- sondern auch Robusta-Kaffee zu importieren, welcher für die Espressomischung notwendig ist. Sollte Espresso RebelDía auf Anklang stossen, wollen wir den Kaffee gern in grösserer Auflage anbieten. Wie schmeckt er euch? Wir laden Euch ein, an unserer Umfrage teilzunehmen – per QR-Code, Kurzlink unten oder direkt über unsere Homepage. Wir sind gespannt auf Eure Reaktionen !

Link zu unserer Umfrage zu Espresso RebelDía: https://bit.ly/3gExLVy

Danke für Eure Teilnahme!

Infos zur Kooperative Corazón de la Montaña

LoRa-Sendung auf Spanisch vom 21. 12. 2021 zur Kooperative und zu Espresso RebelDia:

Kurzfilm (sp/dt): Corazón de la Montaña – Kooperative Café Tepeyolo und Café RebelDía

Juni 2022. Das Kollektiv Campo Abierto zeigt Eindrücke aus der Sierra Negra, wo sich die Nahua-Gemeinden in der neuen Kooperative „Herz der Berge“ (Corazón de la Montaña) organisieren.
Mit dieser jungen Kooperative wird Café RebelDía neu aufgemischt und erhält nach 22 Jahren eine rebellische Compañera: Aus dem Robusta- und teils auch aus dem Arabica-Kaffee von Corazón de la Montaña aus Puebla entstand die neue Café RebelDía-Espressomischung.
Zum Kurzfilm: https://vimeo.com/708717568

fein fair fuerte – Espresso RebelDía et une nouvelle coopérative

Mars 2022. Comme annoncé en août 2021, le moment est enfin venu: Cafe RebelDía vous présente, après 22 années, sa nouvelle compañera rebelle sous la forme d’un nouveau mélange.

En première et d’abord en édition limitée, nous vendons désormais du Espresso RebelDía (dans la limite des stocks disponibles).

Grâce à la coopérative Corazón de la Montaña (Yololtepetl, Coeur de la Montagne) de Puebla, nous avons désormais la possibilité d’importer non seulement du café arabica mais aussi du robusta, qui est nécessaire pour réaliser le mélange pour café expresso. Si Espresso RebelDía rencontre du succès, nous souhaitons proposer ce café en plus grande quantité. Comment le trouvez-vous ? Nous vous invitons à participer à notre enquête au moyen du code QR, du lien bref ou directement sur notre site Internet. Nous attendons vos retours avec impatience !

Lien vers notre enquête sur Espresso RebelDia: https://bit.ly/366zqRE

Nous vous remercions pour votre participation !

Information sur la coopérative Corazón de la Montaña

Café RebelDía: fein fair – Südmexiko

Die Verpackung von Café RebelDía erscheint ab August 2021 in leicht abgeänderter Form: Das Biolabel fällt zurzeit weg. Unsere Mischung besteht momentan aus zertifiziertem Kaffee der zapatistischen Kooperative Yachil und Kaffee der autonomen Kooperative Maya Vinic (beide Chiapas). Dieses Mal ist der Kaffee von Maya Vinic jedoch von Bauern in Umstellung. Für den Kaffeeanbau selbst und die Qualität ändert das nichts, doch gleichzeitig unterstützen wir so diese Bauern auf ihrem Weg zum Label.

Die neue Herkunftsbezeichnung „Südmexiko“ auf der Verpackung erlaubt es uns, nicht jedes Mal, wenn wir Kaffee einer neuen Kooperative beziehen, diese anpassen zu müssen. Die jeweiligen Kooperativen und deren Herkunft sind weiterhin auf der kleinen weissen Etikette auf der Rückseite erwähnt.

Café RebelDía: Kaffee der Kooperativen Maya Vinic und Yachil

Dez. 2020. Der Verein Café RebelDía importiert Ende 2020 erstmals Kaffee von Maya Vinic. Die aktuelle Mischung besteht somit aus hochwertigem Kaffee der zapatistischen Kooperative Yachil Xojobal Chulchan und der Kooperative Maya Vinic, beide aus dem Hochland von Chiapas.

Die Kooperative Maya Vinic entstand aus der zivilen indigenen Organisation Las Abejas (die Bienen). 1999 trafen sich die Vertreter*innen der Abejas, um über die Zukunftsaussichten ihrer Gemeinden zu beraten. Die meisten von ihnen verdienten ihren Unterhalt als Kaffeebauernfamilien. Doch bezahlten die Coyotes (Zwischenhändler) zu tiefe Preise für den Kaffee. Um sich gemeinsam von dieser Abhängigkeit zu befreien, gründeten sie die Kaffeekooperative Maya Vinic. Heute zählt die Kooperative rund 600 Mitglieder, von denen die meisten den Abejas angehören.

Gleichberechtigung, gemeinsam Arbeiten, der Respekt gegenüber der Natur und ihren Ressourcen (biologischer Anbau) und das Prinzip des solidarischen Handels prägen die Kooperative bis heute.

Die zivile Organisation Las Abejas hat ihren Versammlungsort in Acteal (Chenalhó), dem Ort des Massakers vom 22. Dezember 1997. 45 Personen, die gerade am Beten und Fasten waren, wurden damals von Paramilitärs brutal ermordet. Aufgrund der Gewalt, die in Chiapas ausgebrochen war – auch gegen Kinder und Frauen – mussten damals mehr als 2000 Personen aus ihren Häusern fliehen.

Den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Verletzung von Menschenrechten führen die Abejas schon seit langem, in organisierter Form seit 1992. Im Gegensatz zur zapatistischen Bewegung verstehen sie sich als pazifistische Organisation im Widerstand.

Video auf Spanisch (30 min): https://vimeo.com/434531933

Webseite der Abejas: https://acteal.blogspot.com/p/historia-de-las-abejas.html

Das Wirken der rebellischen Bohne – Ein Reisebericht

Anfangs März 2018 kommen wir in San Cristóbal de la Casas an, einer Kolonialstadt im Hochland von Chiapas. Ganz offensichtlich dreht sich hier vieles um Tourismus, Kunsthandwerk und Kaffee. An jeder Ecke hat es kleine bis mittelgrosse Röstereien. Es gibt Kaffee mit dänischem Filtersytem, im klassischen Barista-Stil, Frappuccino und alles, was das kaffeeaffine Herz begehrt. Auch Starbucks fehlt seit Januar 2018 nicht, mit etwas der Region angepassten Innendesign. Vor Jahren wurde Chiapas als Land des Kaffees angepriesen. So werden ebenfalls Besichtigungstouren auf Kaffeefelder angeboten.

Auch wir fahren aufs Feld mit unserer „Handelspartnerin“ der Kaffeekooperative Yachil Xojobal Chulchán. Nach einer etwa zweistündigen Fahrt – unter anderem durch Chenalhó, wo es kürzlich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam (siehe Februar-Newsletter) – werden wir von mehreren Bauern empfangen. Gemeinsam steigen wir zu einem Feld hoch. Im Schatten, umgeben von einigen Bananenbäumen und neben einem kleinen Beet, in dem Kaffeepflanzen aufgezogen werden, führen wir ein Gespräch, mit Übersetzung auf Tzotzil. Wir bekommen eine kleine Einführung, welche Kaffeesorten angepflanzt und wie sie gepflegt werden müssen. Der Kaffeepilz Roya, der 2014 in Mittelamerika ausbrach und die Ernten um die Hälfte verringerte, sei zu 90% bekämpft. Die neuen Pflanzen seien nun soweit gewachsen, dass sie für die Ernte bereit seien. Vier Jahre braucht eine neu angezogene Kaffeepflanze, bis sie ihre erste Ernte abgibt.

Auf die Frage, wie lange der Bauer, auf dessen Feld wir stehen, brauche, um aufs Feld zu gelangen, antwortet er, ungefähr zwei Stunden, in der Regel zu Fuss. Früher habe er hier in der Nähe seines Feldes gewohnt. Auf einem kleinen Grundstück mit Land für die Selbstversorgung. Doch dann kamen 1997 die Paramilitärs und sie mussten fliehen. Seither leben sie in Polhó, wo sie sich sicherer fühlen, weil die Bewegung dort stärker vertreten ist. Nur manchmal, nach einem sehr langen Arbeitstag übernachten sie in ihren alten Häusern. Die Felder konnten ihnen nicht weggenommen werden. Zum Leben jedoch könnten sie nicht zurückkehren, es sei zu gefährlich. Ob sie heute auch noch angegriffen würden, wollen wir wissen. Nein, aber Beleidigungen und Schikanen würden zum Alltag dazugehören. Etwas später werden wir auf eben diesem Grundstück zum Mittagessen eingeladen. Idyllisch wirkt es hier, mit einer wundervollen Aussicht, umgeben von meterhohen Bäumen, von Maisfeldern, einer kleinen Kaffeeplanzen-Aufzucht und Kaffee, der zum Trocknen auf dem Betonboden liegt. Dann zeigt der Bauer in verschiedene Richtungen und meint: „Von dort kamen sie damals, in der Nacht. Wir hatten Angst und mussten fliehen. “

In Polhó lebten ab 1997 zwischen 7500 und 10’000 Vertriebene. Viele sind heute noch dort und leben in teilweise prekären Wohnverhältnissen, ohne Land für die Selbstversorgung. Einige sind ganz weggezogen oder aus der Bewegung ausgestiegen, nur wenige sind zurückgekehrt. 20 Jahre ist das her, aber die Erschütterung, die Ungerechtigkeit und die damit verbundenen Einschränkungen sind geblieben. Trotzdem machen sie mit Überzeugung weiter.

So verabschieden wir uns am Abend von Yachil, bewegt vom breiten Panorama an Eindrücken. Vertreibungen und Spannungen sind in der Region Normalität. Das haben wir von verschiedenen Seiten gehört. Die Situation in Chalchihuitán (Landkreis Chenalhó) hat sich zum Beispiel nicht verbessert. Ein Kooperativenmitglied, das auf unserem Besuch mit dabei ist, erzählt von einem ähnlichen Konflikt, der in seinem Dorf gärt. Er selber hält sich aufgrund seines Amtes in der Kooperative unter der Woche in San Cristobál auf. Ob er nicht um seine Familie besorgt sei, wollten wir wissen. Nein, weil seine Brüder dort seien. Später erfahren wir, dass dieser Konflikt dort seit Jahren auf und abschwelt.

Und trotzdem überwiegt bei unserem Besuch der Eindruck von grosser Motivation, die Kooperative weiter auszubauen, die Autonomie im Kollektiv voranzubringen, mehr Kaffee zu produzieren. Gerade eben haben sie eine neue Rösterei gebaut; ihr nächstes grosses Projekt ist eine eigene Verarbeitungsfabrik für den Export. Das beinhaltet allerdings auch, im ständigen Dialog zu sein, wie der Spagat zwischen Exportgeschäft und einer nichtkapitalistischen Marktlogik zu bewerkstelligen sei. Regelmässige Versammlungen auch mit dem zapatistischen „Rat der guten Regierung“ (JBG) gehören für die Socias/Socios dazu.

Neben diesen Diskussionen und Selbststeuerungsprozessen bleibt stets auch die Abhängigkeit vom Handel und Staat. So zum Beispiel die Sorge, ob der Kaffee in solidarischen Strukturen verkauft werden kann. Mehr noch aber – dies wurde während unserem Treffen ebenfalls öfters geäussert – die Angst, dass durch die ständig wechselnden, restriktiveren Handelsgesetze ihre Art zu arbeiten und die Kooperative angreifbar werden.

Die Bauern, die wir besuchten, bedanken sich ganz herzlich das wir ihnen den Kaffee zu einem guten Preis abnehmen, und hoffen, das dies noch lange so bleiben wird.

Auch wir bedanken uns bei ihnen dafür, dass wir diesen Kaffee geniessen können. Kein einfacher Weg, den sie gehen, denn der Boden, auf dem sie schreiten, ist äussert fragil.

Das Wirken der rebellischen Bohne

Die Besuche an den Orten, in die die Gewinne des Café RebelDía zurückfliessen, zeigen, dass es sinnvoll ist, die Gelder in diese Region zu senden.

Das Weiterspinnen an der zapatistischen Autonomie schreitet voran und trägt Früchte, wie wir bei unseren Besuchen in den zapatistischen Caracoles und mit unserer Teilnahme am „Ersten Internationalen Treffen der Frauen, die kämpfen“ erfahren konnten.

Dass der Zapatismus im globalen Norden jedoch nicht mehr in Mode ist, merken die NGOs und Menschenrechtszentren, die vor Ort nach wie vor eine sehr wichtige Arbeit leisten, daran, dass ihre langjährigen Geldgeberinnen abspringen.

Die Korruption und Straflosigkeit in Mexiko, die ihr alle aus den Zeitungen und aus unseren Berichten kennt, ist kaum aufzuhalten.

Soziale Bewegungen – ihrerseits oft ermutigt und inspiriert vom Zapatismus – die sich zu wehren versuchen, werden eingeschüchtert, indem ihre Mitglieder verschwunden gelassen und ermordet werden. Eure Kaffeegelder fliessen neben Chiapas auch in Menschenrechtsorganisationen in Oaxaca (Codigodh, CDH Tepeyac) und Guerrero (CCTI), die im Bereich Traumabetroffene, Rechtsberatung und Wiederaufbau eine enorme Arbeit leisten. Oft Arbeiten, die Sache des Staates wären, was sich bei den Erdbebenopfern wieder sehr deutlich zeigt. Sie fliessen aber auch in den Aufbau autonomer Schulprojekte (Isthmus, Oaxaca), in Gemeinden, wo der Staat seiner Pflicht, Schulen zu stellen, nicht nachkommt. Und in Gemeinden, die sich nicht von ihren Ländereien trennen werden, um multinationalen Projekten zu weichen. –Gemeinden, die sich nicht von ihren Ländereinen trennen werden, um multinationalen Projekten zu weichen. Ganz zu schweigen vom informellen Sektor, in welchem die Hausangestellten in Mexiko eine nicht anerkannte und darum schlecht bezahlte sowie rechtsfreie Arbeit leisten.

SADEC in Palenque ist eine Organisation, die autonome zapatistische Kliniken mit Personal, Know-How und medizinischem Material unterstützt, die wir seit Jahren mitfinanzieren.

Um nicht komplett von Unterstützung von aussen abhängig zu sein, haben sie angefangen, Kaffee aus der Zone zu vermarkten, auch in ganz Mexiko.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass die rebellische Bohne als Produkt, von bewussten Menschen gehandelt, ihren Mehrwert durchaus zurück in die produzierende Region bringen kann.

So wünschen wir uns nichts mehr, dass weitere Nischen geöffnet werden, in denen Kaffee nicht als rentierende Kolonialware sehen, sondern als eine Handelsware, deren „Gewinn“ zurück in die Produktionsländer fliesst, in einen Wohlstand für alle. Ein dringend notwendiger Schritt.

Ein Reisebericht von Mitgliedern der Direkten Solidarität mit Chiapas, März 2018