Einsatz als Menschenrechtsbeobachter:in

Zivile Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas, Mexiko

Dein Einsatz vor Ort

Internationale Menschenrechtsbeobachtung in Form von BRICO’s (Brigada Civil de Observación – Zivile Beobachtungsbrigade) wird in Chiapas seit dem Aufstand der zapatistischen Bewegung vom 1. Januar 1994 als solidarische Praxis zur Bekämpfung von Agressionen durch paramilitärische Gruppierungen und Landkonflikten durchgeführt. Trotz versuchten Friedensverhandlungen mit dem Staat 1996 sind zapatistische und andere Gemeinschaften Angriffen paramilitärischer Gruppen nach wie vor ausgesetzt und in Landkonflikte verwickelt, die bis zu Vertreibungen ganzer Dorfgemeinschaften führen.

Als Menschenrechtsbeobachter:in wirst du dich ca. zwei Wochen in einem dir zugeteilten, meist abgelegenen Dorf in sehr bescheidenen Verhältnissen stationiert sein. Du verschaffst dir ein Bild der Lage vor Ort, sammelst Informationen in Zusammenhang mit Landkonflikten, der Gesundheitsversorgung oder sonstigen Anliegen der Dorfgemeinschaft. Du arbeitest zuhanden des Menschenrechtszentrums Frayba (Fray Bartolomé de las Casas) in San Cristóbal de las Casas, Chiapas. Dieses Menschenrechtszentrum koordiniert die Einsätze von Menschenrechtsbeobachter:innen in Chiapas und bereiten die Teilnehmenden vor Ort nochmals detailliert auf den Einsatz vor.

Um einen Einsatz machen zu können, nimmst du in deinem Herkunftsland an einer Vorbereitung durch eine anerkannte Partnerorganisation des Frayba teil. In der Schweiz bietet dies die Direkte Solidarität mit Chiapas an. In Deutschland organisiert CAREA Deutschland die Vorbereitung für einen Einsatz in Chiapas. Daten dazu weiter unten.

Während dem Vorbereitungskurs hier in der Schweiz informieren wir dich über die politische Lage Mexikos und insbesondere den lokalen Kontext Chiapas, schauen die Geschichte der zapatistischen Bewegung und indigener Organisation an und bereiten dich auf den Einsatz vor.

Sehen und gesehen werden – Wieso Menschenrechtsbeobachtung

Die Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas beruht auf dem Prinzip des „sehen und gesehen werden“. Deine Anwesenheit hat sowohl einen präventiven Charakter als auch den Zweck eines Schutzes für die bedrohte lokale Gemeinde, weil du allfällige Missstände und Zuwiderhandlungen des Menschenrechtsgesetzes öffentlich machst.

Nach dem bewaffneten Aufstand der EZLN (Nationale Zapatistische Befreiungsarmee), die Organisation der zapatistischen Bewegung am 1. Januar 1994 trat eine Bewegung unter dem Namen an die Öffentlichkeit, die den Vergessenen eine Stimme gab: den indigenen Völkern Mexikos. Tausende schlecht bewaffnete Indígenas besetzten mehrere Städte in Chiapas und erklärten der mexikanischen Regierung den Krieg. Nach 12 Tagen „Krieg“ lenkte die Regierung aufgrund des Druckes durch die Zivilgesellschaft auf Verhandlungen ein. Diese scheiterten jedoch.
Ein gutes Jahr später, im Februar 1995, nahm die mexikanische Armee weite Teile des von der EZLN kontrollierten Gebietes in einer Offensive ein. Ein Teil der indigenen Bevölkerung musste in den Dschungel fliehen. Einige konnten erst wieder in ihre Dörfer zurückkehren, als mexikanische und internationale Menschenrechtsbeobachter:innen sie begleiteten. Die „zivilen Friedenscamps“ (Campamentos Civiles por la Paz) entstanden aufgrund der direkten Anfrage von zapatistischen Dorfbewohner:innen. Durch die Präsenz von internationalen Menschenrechtsbeobachter:innen erhofften sie sich Schutz vor Übergriffen durch das Paramilitär und die Armee. Seither haben die Zapatistas ihre autonomen Strukturen stetig auf- und ausgebaut. Der Krieg niederer Intensität herrscht jedoch noch immer in vielen zapatistischen, aber auch anderen Gemeinden. Die starke Militärpräsenz der Bundesarmee wurde in den 2000ern abgelöst durch niederschwellige Spaltungsversuche seitens der Regierung mittels staatlicher „Hilfsprogramme“. Paramilitärische Gruppierungen stellen nach wie vor eine Bedrohung dar. Als Schergen der Regierung betreiben sie alltägliche Einschüchterung und Diskriminierung. Bei Landkonflikten vertreiben sie den zapatistischen Teil der Bevölkerung aus den Gemeinden.

Aufgaben der Menschenrechtsbeobachter:innen

  • Zwei Wochen Aufenthalt in der Gemeinde, in welche dich das Menschenrechtszentrum Frayba schickt.
  • Du sollst sehen (beobachten) und gesehen werden. Deine Präsenz ist ein Zeichen dafür, dass die Gemeinde/ die Region von internationalen Organisationen beobachtet wird und allfällige Aggressionen oder Menschenrechtsverletzungen geahndet werden.
  • Je nach Anweisung dokumentierst du Bewegungen von Fahrzeugen, Berichte über Menschenrechtsverletzungen, die Situation in den Gemeinden allgemein und reichst diese Informationen ans Frayba weiter.
  • Du achtest die Strukturen der Gemeinden und mischst dich nicht in interne Prozesse ein.
  • Nach deiner Rückkehr nutzt du dein Netzwerk, um deine Erfahrungen und Erkenntnisse zur aktuellen Lage in Chiapas bekannt zu machen.

Voraussetzungen

  • Du kannst auf Spanisch kommunizieren
  • Du interessierst dich für die Geschichte der zapatistischen Bewegung und der Abejas und bist bereit, dich in das Thema einzulesen. Dich interessiert die Idee der autonomen Selbstbestimmung sowie Menschenrechtsarbeit.
  • Du bist psychisch und physisch belastbar.
  • Du bist bereit für politisch-soziales Engagement.
  • Du besuchst einen Vorbereitungskurs zur Menschenrechtsbeobachtung, organisiert durch die Direkte Solidarität mit Chiapas, Zürich oder von Carea in Deutschland.

Also, auf nach Chiapas!
Kontaktiere uns, wenn du einen Einsatz in einer Gemeinde im Widerstand machen willst.

Für die Vorbereitung zur Menschenrechtsbeobachtung bei uns gibt es folgende Daten:

7. und 20. Juni 2026

3. und 25. Oktober 2026

Der Kurs dauert zwei Halbtage, meldet euch jeweils für einen Block an: bricos@chiapas.ch

Links
Frayba (Fray Bartolomé de las Casas):
www.frayba.org.mx oder https://comunidad.frayba.org.mx/bricos

CAREA Deutschland : www.carea-menschenrechte.de

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