Südmexiko-Newsletter August / September 2026

IN EIGENER SACHE

Im August erhielten wir von Sara Méndez von Codigo DH aus Mexiko ein fotobordado (siehe Bild) als Geschenk, worüber wir uns sehr freuen und euch etwas daran teilhaben lassen wollen.
Das fotobordado ist eine künstlerische Technik, bei der Bilder oder Fotos mit Garn bestickt werden. In Mexiko ist das Sticken tief in der indigenen und lokalen Kultur verwurzelt.

Gut beschrieben, finden wir es auf der Seite von Codigo DH:
„Nadel und Faden wurden zum Nähen von Wunden und zum Sticken verwendet; im weiteren Sinne gelten sie als Heilmethode, die historisch gesehen vor allem von Frauen angewendet wurde.
Darüber hinaus verleihen die Fotos dem Ganzen eine identitätsstiftende Komponente, um den Kampf für die Rechte und den Schutz des Territoriums fortzusetzen.“
Auf Spanisch im Text auf: https://codigodh.org/2026/08/14/fotobordado-en-san-dionisio-del-mar/
Weitere Infos zur Arbeit von Codigo DH mit fotobordado: https://codigodh.org/?s=fotobordado

CHIAPAS

In Mexiko protestieren Indigene gegen Autobahnbau (14.08.26)
Proteste in Chiapas. Maya-Kulturen gegen Schnellstraße
Mehr als 4.000 Indigene haben im mexikanischen Bundesstaat Chiapas gegen den Bau einer Autobahn von San Cristóbal de Las Casas nach Palenque protestiert. Ein Maya-Altar, Weihrauch, religiöse Bilder und in indigenen Sprachen bestickte Decken prägten die Prozession in Bachajón in der Gemeinde Chilón am 9. August, dem Tag der indigenen Völker.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/08/289495/proteste-autobahn-chiapas

Segelschiff bringt Hilfsgüter von Mexiko nach Kuba (23.07.26)
Solaranlagen für Kinderkrankenhaus in Havanna. Zapatistas unterstützen Aktion
Am Sonntag hat das Segelschiff Astral aus Spanien nach Zwischenstopp in Mexiko mit humanitären Hilfsgütern Kuba erreicht. Die spanische Hilfsorganisation Open Arms hat diese Kampagne „Auf nach Kuba“ mit der Unterstützung von über 150 anderen Organisationen durchgeführt. Dafür haben mehr als 4.000 Menschen über 170.000 Euro gespendet. Damit konnten sie sieben Tonnen Hilfsgüter für das Juan-Manuel-Márquez-Kinderkrankenhaus in Havanna liefern, vor allem Solaranlagen und Medikamente.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/07/288886/segelschiff-bringt-hilfsgueter-nach-kuba

OAXACA

Nach 15 Jahren willkürlicher Haft: Umweltschützer Pablo López aus Oaxaca ist frei! (19.08.26)
Internationale, mexikanische und oaxakanische Organisationen begrüßen die Freilassung des zapotekischen Menschenrechtsverteidigers Pablo López Alavez.
Am 27. März 2026 wurde Pablo López Alavez im Anschluss an ein Berufungsverfahren aufgrund eines Urteils des Obersten Gerichtshofs des Bundesstaates Oaxaca freigelassen. Die Entscheidung revidierte die rechtliche Einordnung der Straftaten und verhängte wegen des Tatbestands des einfachen Totschlags eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren und 3 Monaten. Unter Berücksichtigung der Zeit, die der Menschenrechtsverteidiger seit seiner willkürlichen Festnahme am 15. August 2010 in Haft verbracht hatte, wertete das Gericht die Strafe als verbüßt und ordnete seine sofortige Freilassung an. Obwohl das Strafurteil weiterhin in Kraft ist, stellt seine Freilassung nach mehr als 15 Jahren Haft einen bedeutenden Schritt nach vorn dar.
Weiterlesen: https://www.mexiko-koordination.de/2026/08/19/umweltschuetzer-pablo-lopez-freilassung/?l=de

GUERRERO

Gemeindevorsteher in Guerrero ermordet (31.08.26)
Im Bundesstaat Guerrero wurde am Mittwoch der indigene Lehrer Federico García Para getötet. Bewohner machen kriminelle Gruppen und staatliche Untätigkeit verantwortlich
Im südlichen Bundesstaat Guerrero haben als Gemeindepolizisten gekleidete Angreifer den indigenen Lehrers und Gemeindevorsteher Federico García Para ermordet. Er hatte immer wieder die von den Los Ardillos ausgeübte Gewalt in seinem Heimatort Huitzapula kritisiert und suchte mit dem Menschenrechtszentrum Tlachinollan nach verschwundenen Menschen. Vor einem Jahr war sein Sohn Luis Fernando García Sánchez mit weiteren Personen von bewaffneten Gruppen in der Region entführt worden.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/08/290005/mexiko-organisierte-kriminalitaet

„Federico wurde ermordet, weil er unermüdlich nach seinen entführten Sohn suchte“
Quelle: chiapassincensura

Mexiko verhaftet Ex-Gouverneur von Guerrero im Fall Ayotzinapa (09.08.26)
Die Generalstaatsanwaltschaft hat Ángel Aguirre Rivero, den ehemaligen Gouverneur des Bundesstaates Guerrero (2011-2014), überraschend verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, für die Vernichtung von Beweisen des gewaltsamen Verschwindenlassens der 43 Studenten von Ayotzinapa verantwortlich zu sein. Der Politiker wurde in das Hochsicherheitsgefängnis No1 namens Altiplano im Bundesstaat Mexiko überstellt, wie das Sekretariat für Sicherheit und Bürgerschutz (SSPC) berichtete.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/08/289317/gouverneur-wegen-ayotzinapa-verhaftet

Mexiko lässt Sprecher der indigenen Organisation CIPOG-EZ festnehmen (22.07.26)
Vorwürfe Mord und Entführung. Unterstützende aus In- und Ausland fordern seine Freilassung. Am Donnerstag soll er vor Bundesgericht angehört werden
Am 17. Juli 2026 ist Jesús Plácido Galindo, Sprecher und Anführer des Concejo Indígena y Popular de Guerrero Emiliano Zapata (CIPOG-EZ), an einer Kontrollstelle der mexikanischen Armee festgenommen worden. Ihm wurde mitgeteilt, dass er wegen Mordes, Entführung und seiner angeblichen Rolle als Drahtzieher innerhalb der kriminellen Gruppe „Los Tlacos“ festgenommen wurde. Nach Angaben verschiedener mexikanischer Menschenrechtsorganisationen handelt es sich dabei um falsche Anschuldigungen.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/07/288838/mexiko-festnahme-indigener-sprecher

MEXIKO

Mexiko und Brasilien erkunden Tiefsee Ölfelder im Golf (07.08.26)
Pemex und Petrobras vereinbaren die gemeinsame Suche nach Erdölvorkommen im Golf von Mexiko. Umweltgruppen warnen vor Gefahren und fordern den Ausstieg aus fossilen Energien
Das mexikanische Staatsunternehmen Pemex und die brasilianische Petrobras haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um „Tiefsee- und Ultra-Tiefsee-Erdölvorkommen im Golf von Mexiko zu erkunden“. Mit der Allianz sollen zudem weitgehend erschöpfte Felder wiederbelebt und die mexikanische Petrochemie gestärkt werden.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/08/289202/pemex-und-petrobras-erforschen-tiefsee

Algenplage in Mexikos Karibik wächst rasant (04.08.26
Klimaerwärmung gilt als eine der Ursachen. Präsidentin Sheinbaum stellt Milliardenplan für Quintana Roo vor. Verrottende Sargassummassen schaden Umwelt, Gesundheit und Tourismus
Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum hat eine umfassende Strategie zum Umgang mit der massiven Algenkrise in der Karibik vorgestellt. In Quintana Roo, dem Bundesstaat, der am stärksten von der Ansammlung dieser Makroalge an den Küsten betroffen ist, wird die Regierung zwei Milliarden Pesos (rund 100 Millionen Euro) investieren.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/08/289188/algenplage-karibistraende

Die Entsorgung der massiven Algenpest an den Stränden der mexikanischen Karibik ist arbeits- und kostenintensiv
Quelle: Regierung von Quintana Roo / Animal político

Reporter ohne Grenzen warnt vor Anstieg der Morde an Journalist*innen (29.07.26)
Nach dem jüngsten Mord an dem Journalisten Alejandro Leyva Aguilar in Oaxaca vor wenigen Tagen bestätigt Reporter ohne Grenzen einen „alarmierenden“ Anstieg der Morde an Journalist*innen. In Mexiko, das ohnehin als das gefährlichste Land Amerikas für Presseleute gilt, ist die Zahl der Todesopfer laut der Organisation so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. „Sieben Morde in sieben Monaten – das ist nicht hinnehmbar. So viele Tote in so kurzer Folge machen einen fassungslos. Seit 2011 oder 2012 hat Reporter ohne Grenzen keinen so alarmierenden Anstieg von Morden an Presseleuten mehr verzeichnet“, erklärte die mexikanische Reporter ohne Grenzen-Sprecherin Balbina Flores Ende Juli in einem Telefoninterview mit EFE.Laut den offiziellen Regierungserklärungen sei ein Rückgang der Mordfälle zu verzeichnen, doch tatsächlich steige die Zahl der tödlichen Verbrechen gegen Presseleute an, warnte Flores, es seien ungefähr so viele wie während der Amtszeit des ehemaligen Präsidenten Enrique Peña Nieto (2012–2018), das Problem der Gewalt sei somit offensichtlich „nicht überwunden“.
Weiterlesen: https://www.npla.de/thema/kultur-medien/reporter-ohne-grenzen-warnt-vor-anstieg-der-morde-an-journalistinnen/

Mordwelle an Journalisten in Mexiko (24.07.26)
Seit Juni sind in Mexiko vier Medienschaffende ermordet worden. Damit steigt die Zahl der getöteten Pressemitarbeiter im laufenden Jahr auf sieben. Bisher kam es nur in zwei Fällen zu Verhaftungen mutmaßlicher Täter. Opfer sind vor allem unabhängige Reporter, die sich mit lokalen Korruptionsfällen beschäftigen und in digitalen Netzwerken wie Facebook oder Youtube veröffentlichen.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/07/288925/morde-ournalisten-mexiko

ANDERE REGIONEN MEXIKOS

PUEBLA

Ein getöteter Journalist pro Monat (03.09.26)
Lokalreporter in Mexiko trotz öffentlich gemachter Drohung ermordet
Der Fotograf und Lokaljournalist Ricardo Zúñiga Rosas ist am 29. August im mexikanischen Bundesstaat Puebla erschossen worden. Der 35-Jährige hatte wenige Monate zuvor öffentlich gemacht, dass er wegen seiner Berichterstattung über die örtliche Verwaltung bedroht worden war. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert eine umfassende Aufklärung des Mordes und ruft Präsidentin Claudia Sheinbaum und die Bundesbehörden erneut dazu auf, umgehend einen landesweiten Notfallplan gegen die Gewalt an Journalist*innen einzuleiten.
Weiterlesen: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilungen/4295/lokalreporter-in-mexiko-trotz-offentlich-gemachter-drohung-ermordet

MICHOACÁN

Proteste gegen Schnellbus in Morelia (04.09.26)
Einwohner*innen der Stadt Morelia im Bundesstaat Michoacán in Mexiko protestieren gegen die Fällung von Bäumen für das Verkehrsprojekt Morebús, einem Schnellbus für Morelia. Für das von Gouverneur Alfredo Ramírez Bedolla angekündigte Projekt hatte die Stadtverwaltung die Fällung von 613 Bäumen angeordnet.
Weiterlesen: https://www.chiapas.eu/news.php?id=13178

Festnahme von Mitgliedern des Kartells Jalisco Nueva Generación (25.08.26)
Nach dem Einsatz Straßenblockaden und Fahrzeugbrände. Avocadohandel und Beziehungen zu USA betroffen
Spezialeinheiten der mexikanischen Armee und der Nationalgarde haben in Abstimmung mit dem Ministerium für Sicherheit und Bürgerschutz, der Generalstaatsanwaltschaft und der Marine eine Operation in Tinaja de Vargas und Colesio im Bundesstaat Michoacán durchgeführt und dabei neun Personen festgenommen. Ziel war die Festnahme mehrerer Personen, die von den Behörden als gefährlich eingestuft wurden.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/08/289803/operation-michoacan-folgen

QUINTANA ROO

Ein lebendiges Haus der Erinnerung eröffnet (24.08.26)
Erinnerung als politischer Prozess. Casa gedenkt Verfolgung aber auch Widerstand der Maya und anderer Menschen
Maya-Máasewáal haben in Mexiko ihr eigenes Haus der Erinnerung eröffnet und gedenken in autonomer Geschichtsarbeit dem Widerstand ihrer Vorfahren, mit Schlüssen für Gegenwart und Zukunft.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/08/289787/casa-de-memorias-dzula

SINALOA

Widerstand gegen Ammoniakfabrik mit deutscher Beteiligung (19.08.26)
In der Bucht von Ohuira wehren sich Yoreme-Gemeinden gegen das Vorhaben. Deutsche und schweizer Firmen dabei
Das umstrittene Megaprojekt im nördlichen mexikanischen Bundesstaat Sinaloa steht seit dem erneuten Baubeginn 2025 in der Kritik. Indigene Yoreme-Gemeinden, die insbesondere vom Fischfang in den biodiversen Feuchtgebieten der Pazifikküste leben, befürchten die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Neben fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfungen, unzureichender Konsultation der Anwohner:innen und UN-Berichten über drohende Menschenrechtsverletzungen wird insbesondere ein Unfall bei der hochriskanten Produktion des Kunstdünger-Grundstoffs befürchtet. Die gesamte Bucht wäre betroffen, das Ökosystem würde kollabieren (amerika21 berichtete).
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/08/289685/protest-ammoniakfabrik-mexiko

MEXIKO-STADT

Internationaler Tag der Verschwundenen in Lateinamerika: Proteste und Gedenken (06.09.26)
Proteste in verschiedenen Ländern. Themen sowohl Verschwundene während der Diktatur als auch aktuelle Fälle
Unter dem Motto „Die Opfer stehen an erster Stelle. Jetzt handeln“ ist am 6. September der Internationale Tag der Opfer des Verschwindenlassens begangen worden. An vielen Orten in Lateinamerika haben Demonstrationen, Kundgebungen und kulturelle Veranstaltungen stattgefunden.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2026/09/290088/lateinamerika-tag-der-verschwundenen

Die Vereinten Nationen stellten den diesjährigen Tag unter das Motto: „Die Opfer stehen an erster Stelle. Jetzt handeln“
Quelle: UN

JALISCO

Podcast „Caminos de verdad y justicia“ (29.08.26)
Dies ist ein Podcast auf Spanisch über die Geschichte einer Frau, die über 15 Jahre lang ihre verschwundene Tochter und ihren Schwiegersohn sucht.
Podcast auf Spanisch: https://mx.boell.org/es/media/external-media/caminos-de-verdad-y-justicia

 

HINWEISE

20. September 2026: Lauf gegen Rassismus, Bäckeranlage Zürich.
Weitere Infos: https://www.laufgegenrassismus.ch/

Am 26. September 2026: Zwischen uns keine Grenzen!
Solidarité sans frontières ruft erneut zu einer grossen und schweizweiten Demonstration der Asyl- und Migrationsbewegung nach Bern. Weitere Informationen auf: https://www.sosf.ch/de/project/zwischen-uns-keine-grenzen und https://demo.sosf.ch

03. und 25. Oktober 2026: Vorbereitungskurs für zivile Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas. Interessierte melden sich unter: bricos@chiapas.ch

GIRA
“Justicia para los familiares de desparecidas/os en México”
(„Gerechtigkeit für die Angehörigen der Verschwundenen in Mexiko“)
España (Madrid) / País Vasco (Bilbao) / Alemania (Berlín) / Francia (París) / Suiza (Basel y Zürich)
09.10.2026 – 05.11.2026
Um auf dieses gravierende Menschenrechtsproblem aufmerksam zu machen, haben sich mehrere soziale Aktionsgruppen in Europa zusammengeschlossen, um die Professorin und Aktivistin Alicia de los Ríos einzuladen, deren Mutter während des „schmutzigen Krieges“ in Mexiko in den 1970er Jahren Opfer eines Verschwindenlassens wurde.

Daten in der Schweiz:
Dienstag, 03.11.26 um 16 bis 18 Uhr auf Radio LORA: Interview
Mittwoch, 04.11.26 um 19:00 Uhr in der Buchhandlung Albatross in Genf: Buchpräsentation „Ameisen unter den Riesen“
Donnerstag, 05.11.26 um 18.00 Uhr am Zürcher Totenfest: Buchpräsentation „Ameisen unter Riesen“

Weitere Infos und Aktualisierungen der Daten unter: https://www.instagram.com/p/DdBPGKFN_mM/?stkn=dzU4cGgwbGV3a2dx