Kategorien: Timeline Stories

All timeline stories.

September 2017

26. September:
Deklaration des Nationalen Indigenen Kongresses und des Indigenen Regierungsrates anläßlich des 3. Jahrestages des Verschwindens der 43 Studenten der Norm Rural Isidro Burgos in Ayotzinapa:
Wir rufen alle auf, die wir das Volk von Mexiko sind, aus den Dörfern, Stadtvierteln, die Nationen und Tribus, die nicht-indigenen Menschen, sowohl vom Land als auch aus der Stadt, den Kampf um ihre Rückkehr nicht aufzugeben und die Bestrafung der Schuldigen einzufordern.
Wir rufen alle Frauen und Männer auf, an den Manifestationen und Mobilisationen, zu denen die Mütter und Väter der 43 Verschwundenen der Normal Rural Isidro Burgos aus Ayotzinapa, Guerrero drei Jahre nach diesem Verbrechen aufrufen, teilzunehmen.

Mai 2017

28. Mai:
María de Jesús Patricio Martínez wird vom CNI als Kandidatin für die kommenden Präsidentschaftswahlen im Juni 2018 bestimmt. In ihren ersten Interviews kritisiert die Sprecherin des Indigenen Regierungsrates die Politik der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto erwartungsgemäß scharf kritisiert und auf deren katastrophale Folgen hingewiesen. Die 53-jährige Nahua-Indigene, die auch Marichuy genannt wird, ist eine traditionelle Medizinerin aus Tuxpán im Süden des Bundesstaates von Jalisco.

April 2017

12. – 15. April:
Die EZLN lädt zum Kongress „Die Mauern des Kapitals, die Risse der Linken“ ins CIDECI ein. Gleichzeitig werden mehrere Tonnen Kaffee für geflüchtete Menschen zur Verfügung gestellt, um deren Organisierung und Widerstand zu unterstützen.

Januar 2014

1. Januar 2014:


Die Zaptistas begehen den 20. Jahrestag der Rebellion mit öffentlichen Reflexionen zu ihrem politischen Projekt und der Fortführung ihres Escuelita-Projekts.
Zur Absolvierung der zapatistischen Escuelita (dt.: kleine Schule) sind seit dem Spätsommer 2013 rund 1.500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Mexiko und aus aller Welt eingetroffen. Während einer Woche hatten sie die Gelegenheit, das Leben und die Sichtweisen der Zapatistas hautnah kennenzulernen. Zum Jahreswechsel startete der zweite Unterrichtsblock dieses Programms. Die hohe Teilnehmerzahl wie auch die Tatsache, dass viele der Lehrer bereits Zapatistas der zweiten Generation im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sind, legen Zeugnis von der Vitalität des politischen Projekts ab. Der Erfolg der Escuelita straft jene Lüge, welche die zapatistische Bewegung klein- oder totzureden versuchen.
Der bekannte kritische mexikanische Intellektuelle Gustavo Esteva ist sich mit Köpfen der Linken wie Noam Chomsky und Immanuel Wallerstein darin einig, dass ein Grund dafür, warum viele den Zapatismus vergessen machen möchte, „die Tiefe seiner Radikalität“ ist. In den zwei Jahrzehnten des Aufbegehrens konnte damit konkret messbare, dauernde Erfolge erzielt werden, wie die Umverteilung von etwa 700.000 Hektar Land. Davon profitierten im Jahr 1994 auch viele Kleinbauern in Chiapas, die selbst gar nicht zu den Rebellen und ihren Unterstützergemeinden gehörten. Ein Markenzeichen der zapatistischen Bewegung ist auch der kontinuierliche Aufbau autonomer gesellschaftlicher Strukturen – im Gesundheitswesen, bei Schule und Ausbildung, in der Rechtsprechung – und nicht zuletzt einer alternativen Ökonomie.

 

6. Januar:
Ein massives Polizeiaufgebot beendet eine monatelange Protestaktion mexikanischer Lehrer. Mehrere hundert Polizisten räumen den Platz mit dem Monument der Revolution im Zentrum von Mexiko-Stadt, auf dem die Lehrer Zelte und andere Unterkünfte errichtet hatten.

 

9. Januar:
Erfolgreicher Widerstand gegen den Bau eines Windparks von 396 Megawatt, den das transnationale Unternehmen Mareña Renovables in der Gemeinde San Dionisio del Mar im Isthmus von Tehuantepec errichten wollte. Das Unternehmen erklärt das Projekt für gescheitert.

 

14. Januar:
Die Kämpfe zwischen Bürgermilizen und der Mafia im mexikanischen Bundesstaat Michoacán erreichen einen neuen Höhenpunkt: Autonome Selbstverteidigungsgruppen nehmen mehrere Städte ein, die bislang vom Tempelritter-Kartell kontrolliert wurden. Damit kontrollieren die als Bürgerwehren gegen die Gewalt der Drogenkartelle gegründeten Milizen 33 Gemeinden und kesseln die als Mafia-Zentrum geltende Kreisstadt Apatzingán weiter ein. Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong schickt weitere Soldaten und Bundespolizisten in die Region, um die Bürgerwehren zu entwaffnen und das staatliche Gewaltmonopol wieder herzustellen.

Januar 2013

17. – 20. Januar:
In der Gemeinde Capulálpam de Méndez in der Sierra Juárez (Oaxaca) findet das emxoamerikanische Treffen „Ja zum Leben, nein zum Bergbau“ statt, bei dem 500 Delegierte aus 12 Ländern die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Bergbauindustrie in Zentral- und Nordamerika diskutieren und Erfahrungen über den Widerstand austauschen.

 

23. Januar:
Die Anführer autonomer regionaler Bauernorganisationen aus über 20 Bundesstaaten beginnen einen kollektiven Hungerstreik vor dem symbolträchtigen Denkmal des Unabhängigkeitsengels in Mexiko-Stadt. Damit beginnt eine neue Phase des Kampfes gegen die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais in Mexiko. Entgegen den am Vortag mit der Stadtverwaltung getroffenen Vereinbarungen wurde ein direkter Zugang zu dem Monument durch ein massives Polizeiaufkommen verhindert. Alberto Gómez Flores, Sprecher des Dachverbandes der Autonomen Regionalen Bauernorganisationen (UNORCA): Es ist bezeichnend, dass den Bürgern der Zugang zu dem Monument verweigert wird, während der Staat Konzernen wie Monsanto, Du Pont und Pioneer Dienste erweist.“ Der Hungerstreik soll zugleich daran erinnern, dass täglich Millionen Mexikaner hungrig zu Bett gehen.

 

Ende Januar:
Mehr als 10.000 Katholiken sammeln sich in San Cristóbal zu einem Pilgermarsch, um an den zweiten Jahrestag des Todes von Samuel Ruiz García, dem ehemaligen Bischof von San Cristóbal (1960-2000), zu erinnern. Sie begrüssen den Schweigemarsch der EZLN als „unmissverständliches Zeichen ihres Willens für den Frieden“, kritisieren den von der mexikanischen Bundesregierung angekündigten „Kreuzzug gegen den Hunger“ und zwei geplante Staudämme im Hochland von Chiapas. Bereits bei früheren Gelegenheiten hatten die katholischen Basisaktivisten Pilgermärsche in San Cristóbal durchgeführt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Januar 2012

1. Januar:
Die EZLN feiert den 18. Jahrestag des Aufstands. In San Cristóbal lädt die „Universität der Erde“ zum „II. Internationalen Seminar: Planet Erde – antisystemische Bewegungen“. Vier Tage diskutieren Intellektuelle und soziale AktivistInnen aus Mexiko, Nord- und Lateinamerika über die aktuellen Herausforderungen für emanzipatorische Kräfte weltweit.
Alle Redner unterstreichen, dass viele antisystemische Bewegungen durch das besondere zapatistische Politikverständnis inspiriert worden sind. Hervorgehoben wird dabei der undogmatische, stets fragende Charakter der Bewegung sowie die Ablehnung der Übernahme der Staatsmacht zugunsten einer radikalen Demokratisierung von unten.
Einigkeit herrschte darüber, trotz aller Schwierigkeiten und Unterschiede die Selbstorganisation voranzutreiben, nicht nur gegen Kapitalismus, auch gegen Patriarchat, Rassismus und Umweltzerstörung. Dazu ist es notwendig, eine klare antikapitalistische Position zu beziehen, sich deutlich vom Parteiensystem zu trennen und das Politikmachen wieder in die Gesellschaft zurückzuholen. Was nach den vielen Reflexionen, Analysen und Vorschlägen weiter zu diskutieren bleibt, ist die Frage, wie eine effektivere Organisierung der ausgegrenzten Mehrheiten vorangebracht werden kann, ohne in orthodoxe Muster zu verfallen, die sich immer wieder als äußerst anfällig für Spaltung, Repression und Korruption erwiesen haben.

Januar 2011

24. Januar:
Monsignore Samuel Ruiz García stirbt im Alter von 86 Jahren in Mexiko Stadt. Samuel Ruiz war Bischof der Diözese von San Cristóbal de Las Casas und Gründer und Präsident des Menschenrechtszentrums FrayBa.
In seinem unbestechlichen Kampf für die Verteidigung der Menschenrechte diente er als Vermittler in den Verhandlungen zwischen der EZLN und der mexikanischen Regierung. Er war ein großer Anhänger der Befreiungstheologie und Förderer der indigenen Theologie.
Grußbotschaft der EZLN

 

25. Januar:
Renato Cruz Morales, Leiter der Kleinbauernorganisation Central de Campesino Cardenista (CCC), und sein Begleiter werden gegen 20:40 Uhr in einem Fahrzeug in der Nähe der Ortschaft La Mina, Landkreis Tuxtepec, Oaxaca, erschossen aufgefunden. Cruz Morales war im Jahr 2006 wegen seiner Beteiligung an der APPO zeitweilig in Haft.

Januar 2010

21. Januar:
Die Regierung überfällt die Gemeinde Laguna El Suspiro im Bezirk Ocosingo, vertreibt die BewohnerInnen und brennt deren Häuser nieder, um Platz für ein „Biosphärenreservat“ zu schaffen. Etwa 60 Polizeibeamte, zum Teil in schwarzen Uniformen und Tarnanzügen, landen mit Hubschraubern im Dorf und beginnen ohne jede Erklärung mit der gewaltsamen Räumung.
María Cortes Pérez und Magdalena García Cortes werden aus ihren Häusern gezerrt und gewaltsam in die Bezirkshauptstadt Palenque gebracht. Andere Frauen entkamen in den Urwald.

 

22. Januar: 
250 Polizeibeamte überfallen die Gemeinde Laguna San Pedro, ebenfalls im Bezirk Ocosingo und zum Gebiet der Montes Azules gehörig. Sie informieren die Bevölkerung, dass die Aktion von staatlicher Seite angeordnet wäre. Zwölf Personen, darunter Kinder, Frauen und Männer, werden im Hubschrauber abtransportiert und der Staatsanwaltschaft in Palenque vorgeführt.
Regierungsfreundlichen Quellen zufolge handelt es sich um eine koordinierte Aktion verschiedener Institutionen, darunter eine polizeiliche Spezialeinheit der Generalstaatsanwaltschaft von Chiapas, die Behörde für öffentliche Sicherheit, die Generalstaatsanwaltschaft der Republik, die Bundesstaatsanwaltschaft für Umweltschutz, die Nationale Kommission für Naturschutzgebiete, sowie staatliche MenschenrechtsvertreterInnen. In einer Pressekonferenz erklären VertreterInnen der Umweltbehörden des Staates Mexiko und des Landes Chiapas, sie würden einen Plan zur Erschließung touristischer Ziele auf der Mayaroute voran treiben. Das Projekt solle die für Ökotourismus ausgewiesenen Ortschaften einschließen und verstehe sich als eine Strategie zum Erhalt und zur Entwicklung des lakandonischen Regenwaldes. Darüber hinaus nannten sie die Namen von weiteren sieben Gemeinden, die so bald wie möglich geräumt werden würden.

Januar 2009

Ende Dezember 2008 / Anfang Januar 2009:
In den zapatistischen Gemeinden wird mit dem „Festival der würdigen Wut“ der 15. Jahrestags des Aufstands gefeiert. Das zweiwöchige Festival hatte in Mexiko Stadt begonnen, war auf rebellischem Gebiet fortgesetzt worden und geht auf dem Gelände der CIDECI, der Universität der Erde in San Cristóbal, zu Ende.

Kleinbäuerliche und indigene soziale Bewegungen wie die weltweit operierende Organisation „Via Campesina“ oder der „Nationale Indigene Kongress“ (CNI) aus Mexiko weisen auf die Notwendigkeit einer auf regionalen Produkten basierenden Ernährung der Menschen und der Abkehr von der exportorientierten Sachzwanglogik des Weltmarkts hin.

Sylvia Marcos, feministische Aktivistin aus Mexiko, hebt hervor, daß der Widerstand der in der EZLN organisierten Frauen erheblich dazu beigetragen hat, daß sich der urbane, akademische Feminismus und der der kämpfenden bäuerlich-indigenen Frauen einander annähern konnten.
Ein weiteres Thema des internationalen Treffens ist neben alternativen Formen von Kultur die Kritik an den herrschenden Medien und die Suche nach einem ethischen Journalismus „von unten für unten“.

John Holloway, Soziologe und Autor des Buches , Die Welt verändern ohne die Macht zu übernehmen‘, betont die Notwendigkeit der Gesellschaften, sich aus ihrer Opferrolle im kapitalistischen System zu befreien, um deutlich zu machen, dass sie „nicht Opfer sondern Menschen sind. Es reicht! Wir werden nichts von niemandem erbitten, wir werden nicht auf die Zukunft hoffen, weil sie nicht einfach so kommt. […] Wir werden auf eine andere Art leben, die sich weder dem Kapital anpasst noch den Anforderungen der kapitalistischen Produktion unterwirft. Nicht nur durch Demonstrationen, sondern indem wir eine andere Sache aufbauen und die Welt, die wir schaffen wollen, schon jetzt leben. Die ZapatistInnen kämpfen, während sie schon in der Welt leben, die sie erschaffen wollen und die weit über die Welt des Kapitalismus hinausgeht.“
Darüber hinaus stellt er bei seiner Betrachtung der internationalen Finanzkrise dar, dass diese auf zwei Arten erklärt werden kann: „Die scheinbar offensichtlichste Erklärung ist, die Verantwortung für die Krise dem Kapitalismus zuzuschreiben und gleichzeitig […] mehr Arbeitsplätze und Unterstützungsleistungen für die Armen zu fordern und für die Durchsetzung dieser Forderungen auf Führungspersönlichkeiten zurückzugreifen. Die andere Art und Weise Continue reading →

Januar 2015

3. Januar:
Das Erste Weltweite Festival für Widerstand und Rebellion gegen den Kapitalismus endet mit einergemeinsamen Erklärung der EZLN, des CNI und der Sexta: „Die 43 verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa sind Symbol für das weltweite kapitalistische Verbrechen. Gemeinsam müssen wir uns organisieren, gegenseitig müssen wir uns schützen und im Widerstand unterstützen. Gemeinsam schaffen wir eine neue Welt!“

 

9. Januar:
900 Polizisten räumen das wiedergewonnene Land in San Sebastián Bachajón. Die vertriebenen BewohnerInnen antworten mit einer Straßenblockade, die von der Polizei zwar mehrfach bewaffnet angegriffen wird, jedoch standhält. Am 29. Januar eröffnen sie ein neues regionales Zentrum in der Nähe der besetzten Kreuzung unter dem Motto: „Während die von oben zerstören, bauen wir von unten wieder auf!“

 

22. Januar:
Zwei indigene Frauen hatten im April 2010 die Tötung der Menschenrechtsaktivisten Bety Cariño und Jyri Jaakkola durch Paramilitärs beobachtet. Am 22. Januar 2015 sind sie bedroht worden, um sie von ihrer kurz bevorstehenden Aussage vor Gericht abzuhalten. Sie wurden in ihrem Heimatort im Bundestaat Oaxaca von den Verwandten des Tatverdächtigen aufgesucht und aufgefordert, ihre schriftlichen Zeugenaussagen zurückzuziehen.

 

Januar:
Der Generalstaatsanwalt Mexikos erklärte die am 26. September 2014 verschleppten Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa offiziell für tot – und möchte so den Fall schliessen.
Nicht so die Angehörigen und Sympathisanten der gewaltsam Verschwundenen, die der Regierung vorwerfen, selbst in den Fall verwickelt zu sein. Ihr Anwalt weist darauf hin, dass in den Ermittlungen vieles noch nicht aufgeklärt worden sei. Bis jetzt gebe es auch keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass alle der 42 noch vermissten Studenten ermordet worden seien.