Etwa 69 ehemalige Spitzel, die für die PRI in Chiapas als Mitarbeiter der „Koordination für Information und Politische Analyse“ tätig waren, wurden am 4.Januar bei der Eliminierung des alten Überwachungsapparates durch den neuen Gouverneur Pablo Salazar Mediguchia entlassen. Aus Protest gegen ihre Entlassung verkaufen sie ein Interview an eine Tageszeitung und erzählen, dass die Koordination etwa 90 Mitarbeiter hatte: Vier Rezeptionisten, acht Analytiker zur Informationsauswertung, mehr als 50 „Ermittler“ in allen Regionen des Staates und 12 „Sammler“, die die täglichen Berichte abfingen. 251 Dossiers mit je mehr als 200 Seiten Umfang bezeugen das Ausmass dieser ätigkeit.
Bereits 1993 leiteten diese aus den Gemeinden angeworbenen Agenten Informationen über die Bewegungen bewaffneter Gruppen in Las Margaritas und Ocosingo an die Regierung weiter, die diesen jedoch keine Beachtung schenkte. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die ständige Beschattung von Bischof Samuel Ruiz. Sie infiltrierten sämtliche politische und landwirtschaftliche Organisationen und autonome Gemeinderegierungen und führten detaillierte Berichte über diese Aktivitäten: „Wir erfassten alles: Märsche, Todesfälle, Konferenzen, interne politische Bewegungen jeder Gemeinde, Wahlergebnisse, einfach alles“, erzählt ein ehemaliger Ermittler. Als Stichprobe seines Könnens legt ein anderer Informationen über Subcomandante Marcos‘ Privatleben vor.
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5. Januar
Im Militärlager Roberto Barrios scheinen die Soldaten von Roberto Barrios auf alles vorbereitet zu sein, ausser auf einen Abzug aus diesem Stützpunkt, der im Februar 1996 eingerichtet wurde und weniger als einen Kilometer vom Aguascalientes der EZLN entfernt liegt. Ein doppelter Zaun aus Stacheldraht wurde um das gesamte Militärgelände von Roberto Barrios errichtet: Er schützt die Einrichtungen, verhindert das Eintreten fremder Personen und kennzeichnet das Gebiet, das von der mexikanischen Armee besetzt wird. Nach den Ereignissen von Jolnachoj, wo unbewaffnete Demonstranten die Armee zum Rückzug gezwungen hatten, wurde er zusätzlich verstärkt.
Die Befehlshaber der Militäreinrichtung verweisen auf den Präsidenten: „Der Befehl lautet zu bleiben, zu halten und sich nicht zurückzuziehen“, versicherte General Lopez. Pedro, EZLN-Sympathisant meint, dass Päsident Fox die Mexikaner betrügt, wenn er sagt, dass diese Kontrollpunkte nicht änger existierten: „Sehen Sie, hier sind sie, sie überwachen weiter alle Zapatisten, fotografieren die Fremden, und unsere Fahrzeuge werden angehalten und durchsucht, so wie immer. Nichts hat sich verändert.“
Jahresbeginn
Zapatistische Mobilisierungen erreichen den Rückzug der mexikanischen Bundesarmee aus zwei ihrer 259 Positionen. Nach der Räumung des umstrittenen Militärcamps von Amador Hernandez am 22. Dezember, gegen das die Dorfbevölkerung seit der militärischen Besetzung im August ’99 täglich demonstriert hatte, protestierten am 31. Dezember frühmorgens 700 zum Teil vermummte Zapatistas gegen das Militärcamp von Jolnachoj. Die 200 dort stationierten Soldaten wurden zum unverzüglichen Abzug aufgefordert. Nach einer halbstündigen Kundgebung in angespannter Atmosphäre zogen die Demonstrierenden in das fünf Minuten entfernte Aguascalientes Oventic ab, um dort die Feiern zum siebenjährigen Jubiläum des zapatistischen Aufstandes zu beginnen. Kurz darauf packten die Soldaten ihre Sachen und zogen ab – anscheinend auf direkten Befehl des neuen Präsidenten Fox, der eine Konfrontation mit den Demonstrierenden vermeiden wollte.
Die Freilassung der zapatistischen Gefangenen, ebenfalls eine Vorbedingung der EZLN, kommt langsam voran. Am 30. Dezember wurden 16 freigelassen, aber weitere 85 Gefangene warten auf das Resultat der Haftüberprüfung, die der neue chiapanekische Gouverneur Pablo Salazar angeordnet hat.
Im nationalen Parlament wird das erste Abkommen über indigene Rechte und Kultur in den folgenden Wochen diskutiert werden. Die Erfüllung dieses Abkommens von San Andrés ist der dritte Punkt für die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen. Zur selben Zeit veröffentlicht der Nationale Sicherheitsrat der USA, eine Abteilung des CIA, seinen Bericht „Globale Tendenzen 2015“. Nach Einschätzung des CIA steht Lateinamerika einer neuen Bedrohung gegenüber: den indigenen Widerstandsbewegungen: „Diese Bewegungen haben grossen Zuwachs zu verzeichnen. Erleichtert wird dies durch transnationale Netzwerke von Aktivisten, die ür die Rechte der Indígenas eintreten, durch internationale, gut finanzierte Menschenrechts und Ökologiegruppen“. Ausserdem sagen die Experten voraus, dass sich die „Spannungen im Gebiet von Mexiko bis über die Amazonas-Region verschärfen werden“. Bereits 1999 hatte das chilenische Militärinstitut „Zentrum für militärische Studien und Untersuchungen“ (Centro de Estudios e Investigaciones Militares) einen ähnlichen Bericht namens „Der Konflikt mit den Mapuches und seine Auswirkungen auf die nationale Sicherheit“ herausgegeben. Der aktive Widerstand der Mapuches gegen grosse internationale Konzerne, welche den Indigenen ihr Land rauben und ihre naürlichen Lebensgrundlagen zerstören, hat sich in ein Thema der nationalen Sicherheit verwandelt.
31. Dezember
Nahe Oventic besetzt eine Demonstration von 700 Zapatistas einen Militärstützpunkt, der eine halbe Stunde nach ihrem Abzug geräumt wird. Die Feiern zum Jahrestag des Aufstandes verlaufen ruhig.
22. Dezember
Die Bundesarmee zieht sich aus der ersten der sieben Positionen, deren Räumung die EZLN fordert, zurück: Amador Hernández.
2. Dezember
Die EZLN zeigt sich offen gegenüber der neuen Regierung und betont ihren Willen für eine politische Lösung des Konflikts. Sie fordert drei Signale von Seiten der Regierung zum Beweis ihres Friedenswillens: Freilassung der zapatistischen Gefangenen, Rückzug der Bundesarmee aus sieben (von 259) militärischen Positionen und Umsetzung des ersten Abkommens von San Andrés. Ausserdem kündigt die EZLN den „Marsch für die indigene Würde“ an, mit dem die Zapatistas für die COCOPA-Gesetzesinitiative zu den indigenen Rechten und Kultur eintreten wollen.
1. Dezember
Vicente Fox übernimmt die Macht und ordnet die Auflösung der Militärsperren auf den Strassen von Chiapas an.
2. Juli
Die PRI wird bei den Präsidentschaftswahlen nach 71 Jahren an der Macht durch Vicente Fox von der konservativen PAN besiegt. Die sozialdemokratische PRD verliert an Gewicht. PRI und PAN dominieren zusammen auch die Parlamentskammern.
12. Juni
In El Bosque gerät eine Polizeistreife in einen Hinterhalt. Sieben Polizisten werden getötet, zwei weitere Personen verletzt. Die Urheberschaft wird unter den Paramilitärs vermutet, verhaftet werden jedoch zwei Zapatistas.
Januar – Juli
Angespanntes Wahlkampfklima. Die EZLN befürchtet einen militärischen Schlag des scheidenden Präsidenten Zedillo.
