Kategorien: Timeline Stories

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Februar / März

Eine dritte internationale Kommission aus Menschenrechtsbeobachtern reist nach Mexico. Ihr ernüchterndes Resumée sieht auch nach Fox‘ Amtsantritt keine Verbesserungen der Situation, andauernde Verletzungen der Menschenrechte und keinerlei Anzeichen der Regierung, an einer friedlichen Lösung interessiert zu sein.

November

Die Menschenrechtsanwältin Digna Ochoa wird ermordet.

Oktober

Bei den Regionalwahlen in Chiapas kommt es zu Stimmenthaltungen von knapp 60%. Beobachter berichten von massiven Wahlrechtsverletzungen, gefälschten und verschwundenen Stimmzetteln, Stimmenkauf und Manipulation. Das offizielle Ergebnis bestätigt die absolute Mehrheit der PRI bei leichten Zugewinnen für die Oppositionsparteien.

Juni

Zum erste Mal gibt das Militär zu, Spezialtruppen zur Aufstandsbekämpfung durch guatemaltekische Kaibiles ausbilden zu lassen, dies der Öffentlichkeit jedoch aufgrund des „schlechten Rufs“ der Kaibiles verschwiegen zu haben. Die Kaibiles werden für unzählige Verbrechen gegen die Menschenrechte während des 30 Jahre dauernden Bürgerkriegs in ihrem Land verantwortlich gemacht.

Mai

Weiterhin nimmt die Militärpräsenz in Chiapas zu. Die unter Medienrummel geräumten Kasernen und Stützpunkte sind wieder besetzt, Strassensperren und -kontrollen werden wieder errichtet. Neue Strassen sollen die Milärlager am Rande des Lakandonischen Urwalds miteinander verbinden und so den Belagerungsring rund um das zapatistische Gebiet zuschnüren.
In San Pedro de Michoacán beginnen die Einwohner von Guadalupe Tepeyac in aller Stille die Arbeiten zum Wiederaufbau der Gemeinde, aus der sie vor sechs Jahren von der Armee vertrieben wurden.

April

Als Reaktion auf den zapatistischen Marsch verabschiedet die Regierung ein „Autonomiegesetz“. Menschenrechtsgruppen, Indigener Kongress und EZLN lehnen dieses Gesetz vehement ab, da es die Autonomie beschneidet, anstatt sie zu ördern (-> Stellungnahme des CNI).
Der CNI kündigt an, mit der „Wiedergewinnung indigenen Landes“ zu beginnen, angefangen mit 5.000 Hektar Land in Potosí Huasteca.
Die EZLN wirft Fox Verrat und Täuschung vor, fordert die Umsetzung der Vereinbarungen von San Andrés anstatt „dieser Anerkennung der Rechte und Kultur der Grossgrundbesitzer“ und bricht sämtliche Gespräche mit der Regierung ab.

19. April

Neues Massaker der Paramilitärs: Im Bezirk „Venustiano Carranza“ überfällt die „Alianza San Bartolomé de Los Llanos“ eine Gruppe Landarbeiter, die der BäuerInnenorganisation „OCEZ-Casa del Pueblo“ nahestehen. Zwei Bauern können fliehen, acht werden ermordet.

25. Feburar – 28. März

Mit einer spektakulären Reise der EZLN-Führung nach Mexiko-Stadt wird die Umsetzung der 1996 beschlossenen Verträge von San Andrés gefordert. In einer Phase, in der die Regierung auf Propagandaoffensiven, Zermürbung durch scheinheilige Verhandlungen und militärische Repression setzt, wendet sich die EZLN mit diesem Marsch an die Zivilbevölkerung, um den demokratischen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Hunderttausende Menschen begrüssen die Delegation, die auf ihrem Weg durch die massive Anwesenheit in- und ausändischer Firedensbeobachter geschützt wird, immer wieder Halt in indigenen Dörfern macht und auch am „Nationalen Indigenen Kongress in Michiacan teilnimmt.
Den Abschluss der Reise bildete der Auftritt der zapatistischen Comandantes im mexikanischen Kongress. Als erste Rednerin betonte Comandante Ester die dreifache Unterückung der indigenen Frauen.
Sämtliche Reden während des zapatistischen Marsches findet ihr auf der Homepage von Zapapres. Für eine genauere Beschreibung der Reise klickt auf Marsch der indigenen Würde.

12. Januar

Die zwei verschwundenen Zapatisten der Kooperative „Tierra y Libertad“ seien nicht verschwunden, sondern verhaftet worden, wird offiziell erklärt. Ihnen wird zu Lasten gelegt, an einem geplanten Angriff beteiligt gewesen zu sein. Vier weitere zapatistische Gefangene werden freigelassen.
Fast 12.000 indigene EZLN-Sympathisanten fordern in San Cristóbal de las Casas die Erfüllung der drei Forderungen für die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen. In einer der grössten Demonstrationen der letzten Jahre mahnen die rebellischen Indígenas: „Sieben Jahre nach unserem Aufstand gegen das Vergessen und dem Rassismus, nach sieben Jahren des Widerstandes und des Kampfes für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit für alle, sagen wir Ihnen, dass der Krieg und der Tod in weiterhin unseren Dörfern leben, weil die Militarisierung und Paramilitarisierung bis heute weitergeht und keine unserer Forderungen erfüllt worden sind“.

10. Januar

Mehr als 20 der 53 „geräumten“ Militärbefestigungen in den Gemeinden von Ocosingo, Palenque und Las Margaritas sind in ihre Stützpunkte zurückgekehrt. Die Bewohner der autonomen Gemeinden berichten über erneute Belästigungen und Schikanen der Militärs. Das Schicksal der zwei „verhafteten“ Zapatisten der Kooperative „Tierra y Libertad“ ist nicht bekannt, in der Gemeinde Primero de Enero wurden die Bewohner von Jawaltón von einer Gruppe Soldaten in Zivilkleidung bedroht. Die Soldaten vergiften das Wasser des Flusses mit Asuntol, einem Desinfektionsmittel für Rinder, und streuen Marijuanasamen auf die Kaffeefelder. In Roberto Barrios werden nachts Militärübungen durchgeführt und Schüsse in Richtung der zapatistischen Gemeinden abgefeuert.
Der Oberbefehlshaber des VII. militärischen Distriktes gibt bekannt, dass sich seit Januar bereits 500 Soldaten aus Chiapas zurückgezogen hätten, dass die Armee aber weiterhin bleiben ürde, um andere wichtige Pflichten „ausser“ der Bekämpfung der EZLN wahrzunehmen, die da wären: die Bekämpfung des Drogenhandels, der Grenzschutz und der liebevolle Schutz des Naturschutzgebietes von Montes Azules, um die illegale Abholzung zu unterbinden.
Am selben Tag wird die Militärbasis in Cuxulja im Glanzlicht der Öffentlichkeit geräumt. 20 lateinamerikanische Botschafter klatschen gehorsam Beifall. Friedensbotschafter Alvarez strahlt: „Die Regierung spricht nicht mit Worten, sondern Taten“. Die Schau stehlen aber die fast tausend zapatistischen Demonstranten, die sich versammelt haben, um gegen die wirkliche Situation zu protestieren. In einem Kommuniqué denunzieren sie die Lügen der Regierung und erinnern daran, dass sie sich nicht gegen die PRI erhoben haben, sondern gegen das System, das sie erniedrigt und dem Vergessen preisgibt. Der Krieg gegen das Vergessen wird weitergehen, bis die Indígenas in Mexiko anerkannt und nie wieder vergessen werden. Es wird keinen Dialog geben, solange die Regierung nicht bewiesen hat, dass sie zumindest die drei Minimalforderungen ehrenhaft erüllen kann. Ob die Botschafter sich nicht mal den wahren Stand der Militarisierung aus der Nähe ansehen wollten? Antwort: „Das ist im Programm nicht vorgesehen.“
Fox verkündet seine Teilnahme am Wirtschaftsgipfel in Davos. Eine grossangelegte Medienkampagne soll das Image Mexikos vor den euroäischen Partner verbessern.