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9. August

Mehr als 10.000 Zapatisten feiern in Oventik den „Tod der Aguascalientes und die Geburt der Caracoles“ als Beginn einer neuen Strategie des Widerstandes und Ausweitung der Autonomie.
In den fünf „Caracoles“ (dt.: Meeresschnecken), die jeweils sieben municipios umfassen, befinden sich die „juntas de buen gobierno“ (dt.: Räte der Guten Regierung). Diese Räte werden durch je zwei „autoridades“ (MandatsträgerInnen) der municipios gebildet. Ihre Aufgaben liegen darin, für die Einhaltung der revolutionären Gesetze der EZLN und ihrer Gemeinden zu sorgen, Streitigkeiten zu schlichten, den Austausch mit der Zivilgesellschaft zu koordinieren und eine den eigenen Bedürfnissen entsprechende Verteilung der Hilfsprojekte zu erreichen.
Das Bild der Schnecke verdeutlicht die Bemühungen, eine autonome Selbstverwaltung des gehorchenden Regierens zu verwirklichen. Durch den Eingang in das Schneckenhaus, der die Tür zu einer kollektiven Entscheidungsfindung darstellt, und die Spirale des politischen Diskurses sollen alle Stimmen gehört werden, um schliesslich im Zentrum zu einem Konsens zusammenzukommen. Umgekehrt werden getroffene Beschüsse durch die Spirale des Schneckenhauses wieder in die Welt getragen.

Zur gleichen Zeit moderiert Sup Marcos das erste auf Kurzwelle international gesendete Programm von „Radio Insurgente – die Stimme der EZLN“ und verkündet das Ende seiner kurzzeitigen Sprecherrolle für die Räte der guten Regierung, deren Vertreter nun bei Bedarf selbst sprechen wuerden. Ebenso kündigt er die Auflösung aller EZLN-Strassenkontrollen in Chiapas an, eine Überprüfung von Fahrzeugen erfolge nur noch beim Verdacht auf Schmuggel von Drogen, Waffen oder Edelhölzern. Dieser Entschluss sei gefasst worden, weil jede gute Regierung, so Marcos, mit der Vernunft und nicht mit der Armee regieren sollte.

Juli

Die Wahlen zum Abgeordnetenhaus verlaufen einigermassen reguär, der zapatistischen Aufruf zum Wahlboykott senkt die Wahlbeteiligung jedoch auf peinliche 40 % (in Chiapas sogar 30 %). Das nebenächliche Ergebnis: PAN 31%, PRI 34%, PRD 18%.

April

Lino Korrodi, der Mann, der sich um die Finanzierung der Wahlkampagnen von Vicente Fox kümmert, seit dieser Gouverneurskandidat für den Bundesstaat Guanajuato war, gibt zu, dass Fox die Päsidentschaftswahl ohne das für seine Wahlkampagne benutzte Schwarzgeld nicht gewonnen hätte.

Januar

12 nationale und regionale Organisationen land- und forstwirtschaftlicher Produzenten schliessen sich zur Bewegung „El Campo no aguanta más“ (Mehr erträgt der ländliche Raum nicht) zusammen.

1. Januar

Nach zweijährigem Schweigen meldet sich die EZLN wieder in der Öffentlichkeit. Mehr als 20.000 Indígenas und Campesinos besetzen mit einer Grossdemonstration den völlig überfüllten Hauptplatz von San Cristóbal de las Casas, um die Botschaften der Comandantes Esther, David, Fidelia, Omar, Mister und Bruce Lee zu ören. „Wir kommen um ihnen zu sagen, dass wir hier sind und weiterhin leben. Wir haben uns nicht ergeben. Wir sind weder gespalten noch zerstritten“, wenden sich die Comandantes gegen „die Lügen der schlechten Regierung“. „Dieser Kampf hat kaum begonnen“, sagt David in der letzten Ansprache der zapatistischen Comandantes: „Zünden wir ein grosses Licht an, damit die ölker sehen, dass wir die Rebellion weiterühren.“

Dezember

Die von der Räumung durch Militär und Polizei bedrohten Gemeinschaften in Montes Azules bitten die EZLN um Unterstützung. Die 42 räumungsbedrohten Siedlungen, in denen etwa 25.000 meist zapatistische Indigenas wohnen, haben sich dazu entschieden, in den Montes Azules zu bleiben, „auch wenn dies ihr Leben kosten sollte“.
In seiner Antwort warnt Marcos die Regierung, dass die EZLN im Fall von Auseinandersetzung ihre Kriegserkärung nicht erst wiederholen würden

September

Das höchste mexikanische Gericht, der Suprema Corte de Justicia de la Nacion, schmettert die Einsprachen von 330 indigenen Gemeinden gegen das „Ley Indigena Light“ ab. Damit soll auch den neoliberalen Grossprojekten im Rahmen des „Plan Puebla-Panama“ Tür und Tor geöffnet und den indigenen Gemeinden kein legaler Rahmen des Einspruchs gestattet werden.
Der Kleinkrieg der Paramilitärs gegen die autonomen Gemeinden geht verstärkt weiter und fordert im Monat August vier Tote und über zwanzig Verletzte.

August

Ein Sieg für die Bauern von San Salvador Atenco: Acht Monate lang kämpften die Bewohner und Bewohnerinnen der nordöstlich der mexikanischen Hauptstadt gelegenen Gemeinde gegen einen geplanten Grossflughafen auf ihrem Boden. Rund 70 Prozent des Bodens der Kommune sollten Start- und Landepisten, Parkpätzen und Einkaufszentren weichen, 345 Wohnäuser ären dem Erdboden gleichgemacht worden.
Also wehrten sich die Bauern und Bäuerinnen. Sie ernannten Atenco zur „autonomer Gemeinde im Widerstand“, verjagten die örtliche Polizei sowie den Bürgermeister, der sich für den Bau ausgesprochen hatte, organisierten Autobahnblockaden, Demonstrationen und zahlreichen andere Aktionen gegen das Vorhaben der Regierung. Mitte Juli kam es sogar zu einer vorübergehenden Geiselnahme von neun Polizisten und Gefängnisbeamten, nachdem die Polizei ihrerseits mehrere Bauern verhaftet und zum Teil schwer misshandelt hatte. ür den Bauern José Enrique Espinoza, vierfacher Familienvater, Bauern kam der Geiseltausch zu sät: Er starb an den erlittenen Kopfverletzungen, da ihm im Geängnis jedeärztliche Betreuung verweigert worden war.

Mai

Die Gewalt in den bitterarmen Gemeinden im Süden Mexicos eskaliert. In Santiago Xochiltepec (Oaxaca) werden 26 Bauern auf einer entlegenen Landstrasse angehalten und niedergemetzelt. Beim Menschenrechtszentrum Bartoloé Carrasco macht man vor allem staatliche Veräumnisse für die Massaker verantwortlich. Den Beörden sei es nicht gelungen, ungeklärte Landforderungen zwischen Kleinbauern und Holzfällern zu schlichten und in den verarmten südlichen Bundesstaaten Oaxaca, Chiapas und Guerrero für Recht, Ordnung und Gerechtigkeit zu sorgen.

April

Mehr als 1.500 Familien aus 30 indigenen Gemeinden sollen aus ihren Dörfern in Montes Azules vertrieben werden. Die mexikanische Regierung verweist darauf, dass es sich um ein Naturschutzgebiet handle, dessen Gleichgewicht geährdet sei. Der internationale Protest gegen die Vertreibung erreicht Päsident Fox beim Weltwirtschaftsgipfel in Madrid, ährend er seine Päne zur Ausbeutung der Rohstoffe und Abholzung des Regenwaldes päsentiert.