26. September:
Bei mehreren Angriffen der Polizei auf Studenten der pädagogischen Hochschule “Raúl Isidro Burgos” von Ayotzinapa werden zwei junge Studenten und drei unbeteiligte Menschen erschossen, 43 Studierende werden von der Polizei verschleppt.
Die Studenten hatten in der Stadt Iguala mehrere Busse gekapert und wollten in die Hauptstadt fahren, um dort an das Massaker von Tlatelolco zu erinnern, als mehrere Streifenwagen die Straße blockierten und die Polizisten das Feuer eröffneten.
Das Massaker von Iguala – detaillierter Bericht
Kategorien: Timeline Stories
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August 2014
4. August:
Der „Erste Austausch der zapatistischen Völker mit den mexikanischen Originalvölkern“ in La Realidad soll dazu dienen, Möglichkeiten des gemeinsamen Widerstands gegen die kapitalistische Zerstörung zu erörtern.
Juli 2014
18. Juli:
Das Ständige Völkertribunal (Tribunal Permanente del Pueblos, TPP) beginnt damit, den Überfall auf die Gemeinde Viejo Velasco in Chiapas zu untersuchen, bei dem vor knapp acht Jahren vier Menschen getötet wurden und vier weitere verschwanden. Sämtliche Bewohner wurden vertrieben und zahlreiche Häuser zerstört. Die Täter – 40 Personen der Gemeinde Nueva Palestina – kamen in Begleitung von etwa 300 Polizisten. Im Rahmen einer Voranhörung dieses Tribunals versammeln sich Aktivisten und Betroffene von Viejo Velasco in El Limonar, Chiapas. Diego Moreno Montejo, Sohn eines Opfers und Mitglied der Indigenenorganisation X’inich, verwies auf die Wichtigkeit dieser Initiative, die den Beteiligten Mut mache. „Wir forden nach wie vor Gerechtigkeit und die Bestrafung der Täter sowie der geistigen Urheber dieses schweren Verbrechens“, sagte Montejo auf einer Pressekonferenz.
Mai 2014
2. Mai:
Anhänger der regierungsnahen Bauernorganisation CIOAC (PAN, PRI und Grüne) greifen den zapatistischen Verwaltungssitz in La Realidad an: Während eines Gesprächs zur Rückgabe eines Lastwagens unter Begleitung des Menschenrechtszentrums FrayBa erscheinen plötzlich rund 150 bewaffnete CIOAC-Mitglieder, beschädigen die autonome Gesundheitsstation, die Schule, mehrere Fahrzeuge und die Trinkwasserleitung und ermorden den Zapatist José Luis Solís Lopez durch gezielte Schüsse in Kopf und Brust.
25. Mai:
Im Rahmen der Gedenkfeier für den ermordeten Compa Galeano gibt Subcomandante Marcos bekannt, immer nur eine Kunstfigur gewesen zu sein, ein Ablenkungsmanöver und Zaubertrick für die Massenmedien. Nun aber ist eine neue Generation von ZapatistInnen herangewachsen und „Marcos“ nicht mehr notwendig: „Und zum Schluss werden jene, die verstehen, wissen, dass nicht geht, der niemals da war und nicht stirbt, der nicht gelebt hat.“
November 2015
25. November:
Nationales Treffen des Netzwerkes „Alle Rechte für alle / Red TDT“ in Oaxaca
In Oaxaca fand am 25. November das Treffen des nationalen Netzes von Menschenrechtsorganisationen „Alle Rechte für alle“ (Red TDT) statt. Es wurde festgehalten, dass die Ursprünge der aktuellen Menschenrechtskrise das Landes in der Kriminalisierung des sozialen Protestes, insbesondere in den Vorfällen vor neun Jahren in Oaxaca Stadt und in Atenco lägen. Im Ansteigen der Mordrate, des erzwungenen Verschwindenlassens und der Frauenmorde zeigten sich das erhöhte Klima der Gewalt und der Unsicherheit. Die Krise habe den sozialen Zusammenhalt geschwächt, was wiederum Privatisierungsreformen möglich gemacht habe. Die Gesellschaft werde ihrer Rechte beraubt. Gegenüber den gewerkschaftlich organisierten Lehrern wurde Solidarität bekundet. Sie seien eine der wichtigsten aktiven Gruppe des Landes. Wie schon im 2006 seien sie das Rückgrat der sozialen Bewegungen, deswegen würden sie so stark kriminalisiert.
Oktober 2015
Oktober:
Die CNTE, die oppositionelle Strömung der mexikanischen LehrerInnengewerkschaft SNTE, weist zahlreiche interne Widersprüche auf. Dennoch ist sie die gesellschaftliche Speerspitze gegen neoliberale Reformen und Verteidigerin der Rechte der armen Bevölkerung, allen voran die Sektion 22 im Bundesstaat Oaxaca. Seit der Verabschiedung der Bildungsreform steht sie besonders unter Druck. In den letzten Wochen kam es zu Verhaftungen und Angriffen auf die oppositionellen GewerkschafterInnen. Allein am vergangenen Wochenende wurden in Veracruz 50 LehrerInnen verletzt, die gegen eine Evaluation protestierten, welche ohne ihre Zustimmung stattfinden soll.
August 2015
August:
Der 31-jährige mexikanische Pressefotograf Rubén Espinosa war wegen Morddrohungen nach Mexiko-Stadt gezogen. Nun wurde er dort anfangs August erschossen aufgefunden – zusammen mit vier Frauen.
Juli 2015
Juli:
Zweite Stufe der zapatistischen Schule
Die Zapatistas laden die mexikanische und die internationale Sexta zur zweiten Stufe der kleinen zapatistischen Schule ein, doch dieses Mal laden sie nicht nach Chiapas ein. Denn nicht alle, vermuten sie, wären finanziell in der Lage, noch einmal zu kommen, und zudem gestaltet sich die politische Situation in verschiedenen Bundesstaaten Mexikos als sehr angespannt. Die Teilnahme erfolgt über ein Video, und die Teilnehmenden sind aufgefordert, 6 Fragen dazu zu stellen.
Kommission für Menschenrechte in Mexiko legt Bericht zum Fall „Iguala“ vor
Das Dokument über die Ermittlungen von Ende Juli offenbart gravierende Defizite der Generalstaatsanwaltschaft bei der Suche nach den 43 verschwundenen Studenten. Den zuständigen Behörden geben sie 32 Empfehlungen ab, um das Recht der Angehörigen und der Opfer in Bezug auf Gerechtigkeit zu konkretisieren.
Regierung in Mexiko versucht Familien der Verschwundenen zu bestechen
Die mexikanische Regierung soll den Eltern der verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa insgesamt rund 62.000 US-Dollar geboten haben, damit sie die Suche nach ihren Söhnen einstellen und den öffentlichen Kampf um die Aufklärung der Ereignisse vom 26. September 2014 beenden.
Juni 2015
Juni:
Einsatz von bewaffneten Pilatus-Flugzeugen bei Demo in Oaxaca
Bei einer Kundgebung der Lehrergewerkschaft Anfang Juni 2015 überflogen Schweizer Pilatus-Flugzeuge des Typs PC-7 die Demonstrierenden. Vermutlich waren die Flugzeuge, welche das Schweizer Rüstungsunternehmen für militärische Trainingszwecke verkauft, mit Gun- und/oder Raketenpods ausgerüstet, wie dies ein Experte anhand von Fotoaufnahmen identifizierte. Anders als 1994 in mexikanischen Chiapas, 2008 im Tschad oder weiteren Staaten, wo Zivilpersonen getötet wurden, kamen diese jedoch in Oaxaca nicht zum Einsatz. Verschiedene Typen von Pilatus-Flugzeugen können leicht mit Waffen umgerüstet und somit für nicht-zivile Zwecke eingesetzt werden. Trotzdem unterliegt der Export dieser Flugzeugtypen bisher nicht dem Kriegsmaterial-Export wie es die GSoA fordert.
7. Juni:
Trotz einem riesigen Sicherheitsdispositiv mit tausenden von Soldaten und Bundespolizisten ist es am Wahltag, 7. Juni, zu heftigen Protesten gekommen, sowohl in Guerrero wie auch in Oaxaca und Chiapas. Insbesondere die Angehörigen von Ayotzinapa wie auch die Lehreropposition (CNTE) demonstrierten mit aktivem Wahlboykott gegen die „demokratische Normalität“ des Wahlgangs, mit dem das mexikanische Parlament und einige Lokalregierungen erneuert wurden. In über 600 Wahllokalen (von insgesamt 150’000) wurden Unregelmässigkeiten gemeldet, insbesondere in Oaxaca konnten viele nicht eingerichtet werden oder die Urnen wurden verbrannt. In Tlapa, Guerrero, wurde ein junger Lehrer bei einer Polizeiaktion am Abend des Wahltags erschossen.
Mai 2015
1. Mai:
Euro-Caravana 43 zu den verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa
Ein überlebender Student, der Vater eines verschwundenen Studenten und ein Mitarbeiter des Menschenrechtszentrums Tlachinollan in Guerrero bereisten von Mitte April bis Mitte Mai Europa. Sie besuchten dreizehn europäische Städte, um über die 43 verschwundenen Studenten und die Manipulationsversuche des mexikanischen Staates zu berichten, der statt den Fall aufzuklären ihn für abgeschlossen erklärt. Sie rufen die EuropäerInnen dazu auf, die internationale Aufmerksamkeit aufrecht zu halten und informiert zu bleiben. Vor allem die Repression des mexikanischen Staates gegen die Bewegung um die Lehramtstudenten soll weiter beobachtet werden.
Am 1. Mai machten sie in Zürich Halt, wo sie sich am Demonstrationszug anschlossen und abends aus erster Hand die „Nicht-Regierungsversion“ der Ereignisse in Ayotzinapa erzählten.
3. bis 9. Mai:
Tagung: Kritisches Denken im Angesicht der kapitalistischen Hydra
An der von der EZLN organisierten Tagung, an der mehr als 1500 Personen teilnahmen, diskutierten AktivistInnen, linke Intellektuelle, die Zivilbevölkerung und Zapatisten über die Auswirkungen des kapitalistischen Systems und darüber, wie dieses überwunden werden kann. Unter den ReferentInnen waren nebst Mitgliedern der zapatistischen autonomen Gebiete auch Eltern der verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa und bekannte Intellektuelle wie John Halloway, Adolfo Gilly, Raul Zibechi, Luis Villoro, Silvia Federici, Sylvia Marcos und viele andere.
26. Mai:
Kommandantin der Gemeindepolizei Guerreros im Hungerstreik
Nestora Salgado, Koordinatorin der Gemeindepolizei Olinalá, verweigerte nach 21 Tagen Hungerstreik auch die Flüssigkeit. Sie befand sich in einem Hochsicherheitsgefängnis in Nayarit, zwei Tagesreisen von ihrem Zuhause entfernt. Den Durststreik brach sie nach fünf Tagen wieder ab. Am 30. Mai wurde sie endlich in den Spitaltrakt eines Gefängnisses in Mexiko Stadt verlegt, wo sie auch mehr Besuche der Familie und der Verteidigung erhält. Auf Wunsch ihrer Familie beendete sie den Hungerstreik nach 31 Tagen. Nestora und 13 andere befinden sich seit August 2013 unschuldig in Haft. Sie kämpften mit ihrer autonomen Gemeinde-Polizei gegen das organisierte Verbrechen.
