9. – 19. September:
Die Friedenskarawane der Nationalen Bewegung für den Frieden mit Gerechtigkeit und Würde, die im Juni bereits den Norden des Landes bereiste, bereist verschiedene Orte in Oaxaca, Chiapas, Tabasco, Veracruz und Puebla, um anschließend nach Mexiko-Stadt zurückzukehren. Ziel ist, den etwa 50.000 Opfern den Drogenkrieges und ihren Familienangehörigen eine Stimme zu geben. Familien von Opfern des Schmutzigen Krieges, die Gerechtigkeit fordern, und indigene Gemeinden, die der Repression durch Paramilitärs und Armee ausgesetzt waren, treffen sich mit den Angehörigen derjenigen, die in Felipe Calderóns Krieg gegen den Drogenhandel verschwunden sind.
Und Javier Sicilia, Sprecher der Bewegung, bekräftigte noch einmal die Forderung nach einer Wahrheitskommission, um die Fälle der verschwundenen und ermordeten Personen aufzuklären, die von der Regierung als Kolateralschäden in Kauf genommen werden. Immer wieder kommt es zu Repressionen von Seiten der Militärs bzw. angeblicher Zivilisten.
29. September – 7. November:
Sieben indigene politische Gefangene treten im Gefängnis von San Cristóbal in den Hungerstreik. Vier weitere gesundheitlich angeschlagene Gefangene, darunter der Lehrer Alberto Patishtan, unterstützen die Aktion mit einem täglichen zwölfstündigen Fasten. Die Umstände, unter welchen die Indigenen gefangen und bis zu 60 Jahren Gefängnis verurteilt wurden, sind haarsträubend.
Patisthan beispielsweise wurde im Juni 2000 durch einen vermeintlichen Augenzeugen beschuldigt, am Hinterhalt gegen eine Polizeipatrouille beteiligt gewesen zu sein, bei dem 10 Polizisten starben. Der Grundschullehrer von Huitiupan in der Region Altos war Manuel Gomez Ruiz, dem PRI Bürgermeister des Bezirks von El Bosque, ein Dorn im Auge, da er Korruptionsfälle aufdeckte und die Leute dagegen zu mobilisieren versuchte. Gabriela Patishtan, die Tochter des Lehrers, betont im Interview, dass der Sohn des damaligen Bürgermeisters ausgesagt hat, dass der Zeuge gekauft war und die Verhaftung von Alberto Patishtan ein abgekartetes Spiel war. Tatsächlich nahm der angebliche Zeuge später von seiner Aussage Abstand, gilt heute jedoch als spurlos verschwunden. Der Fall von Alberto Patishtan, der inzwischen über 11 Jahre unschuldig im Gefängnis sitzt, ist symptomatisch für das marode Justizwesen Mexikos. Die 20 jährige Justizstudentin Gabriela Patishtan ist um die Gesundheit ihres 40 jährigen Vaters und der anderen Hungerstreikenden besorgt, aber betont zugleich, dass die Aktion ein Signal sei, „dass wir trotz allem weiterkämpfen, trotz der Folter, der Misshandlungen und der Gefängnisverlegungen weiterhin die Freiheit der politischen Gefangenen fordern“.
Nach 39 Tagen, die die politischen Gefangenen in Chiapas in eine lebensbedrohliche Situation gebracht hatten, beschliessen diese auf Anraten ihres medizinischen Betreuungsteams, den Hungerstreik zu beenden, obwohl das Ziel nicht erreicht wurde. In einer Erklärungverweisen sie darauf, dass damit ihr Kampf nicht beendet ist.
