2. Oktober:
Bei Demonstrationen von tausenden Studenten und Aktivisten sozialer Bewegungen in der mexikanischen Hauptstadt und an weiteren Orten des mittelamerikanischen Landes kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Mit den Demonstrationen wird an das Massaker von Tlatelolco am 2. Oktober 1968 erinnert.
Augenzeugen berichten davon, dass Provokateure in die Veranstaltung geschleust wurden. Vertreter der seit Monaten streikenden Lehrer, die sich ebenfalls an der Veranstaltung beteiligten, sehen darin eine Aktion staatlicher Agenten, um die zunächst offensichtlich friedliche Demonstration entgleisen zu lassen. Es kommt zu zahlreichen Verletzungen und Festnahmen, darunter auch sieben Studenten, die zu den Besetzern der Direktion der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) gehören. Ihre Familienangehörigen wissen bislang nicht, wohin die Polizei die Verhafteten gebracht hat. Von offizieller Seite erhielten sie dazu keine Auskunft.
Weitere Auseinandersetzungen aus Anlass des Massaker-Jahrestags gibt es in den Bundesstaaten Oaxaca, Morelos und Michoacán.
Die Ereignisse spiegeln eine Zuspitzung der sozialen Konflikte in Mexiko wieder. Besonders die sogenannten Reformen der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto im Bildungswesen, im Energiesektor und beim Steuersystem stoßen in der Bevölkerung auf immer mehr Widerstand. Zudem ist für viele Tausende nach den verheerenden Hurrikans der vergangenen Wochen jegliche Art staatlicher Hilfe ausgeblieben. Die Regierung steht in der Kritik, den Katastrophenschutz vernachlässigt und nicht rechtzeitig Unwetter-Warnungen herausgegeben zu haben.
14. Oktober:
Demonstrierende Lehrer nehmen nach mehrwöchigen Protesten gegen die Bildungsreform der Regierung den Unterricht wieder auf. Der Disput um die Reform, nach der die Leistung von Lehrern stärker evaluiert, soziale Absicherungen gesenkt und das Bildungssystem teilweise privatisiert werden soll, dauert jedoch an.
Bei einer Abstimmung sprechen sich 61,8 Prozent der Lehrer dafür aus, ihre Arbeit wiederaufzunehmen. Ein Teil der streikenden Lehrer bleibt in Mexiko-Stadt, wo sie den Platz rund um das Denkmal der Revolution besetzt halten. Die Pädagogen, die in die Schulen zurückkehren, werden vor Ort weiter protestieren, um die Bildungsreformen rückgängig zu machen.
In den Bundesländern Morelos, Campeche und Veracruz besetzen Lehrkräfte den Zugang zu öffentlichen Gebäuden des Bildungsministeriums und blockieren Autobahnen. In Mérida werden die Protestierenden vor dem Rathaus in Cancún von der Bundespolizei mit Schlagstöcken, Tränengas und Gummigeschossen angegriffen.
30. Oktober:
Der Lehrer Alberto Patishtan, als politischer Gefangener zu 60 Jahren verurteilt, ist nach 13 Jahren unrechtmäßiger Haft endlich frei. Alberto hatte es abgelehnt, ein Gnadengesuch einzureichen, das für ihn einem Schuldeingeständnis gleichgekommen wäre, und stattdessen dafür gekämpft, seine Unschuld durch die Wiederaufnahme des Verfahrens festzustellen. Das hatten die Gerichte zuletzt in letzter Instanz verweigert. Durch die Reform des Strafrechts möglich gemacht, spricht Präsident Enrique Peña Nieto dennoch eine Begnadigung aus und entledigt sich damit eines ungemütlichen Problemfalls, der seit Jahren immer wieder zu nationalen und internationalen Protesten geführt hatte.
