Oktober 2008

2. Oktober:
Vierzig Jahre nach dem Massaker von Tlatelolco gedenken rund 30.000 Menschen der Opfer und fordern eine vollständige Aufklärung. Bei den Protesten in der mexikanischen Hauptstadt werden 20 Menschen festgenommen und 18 Polizisten leicht verletzt. Die Auseinandersetzungen beginnen, als Studenten versuchen, öffentliche Gebäude mit Graffiti zu bemalen. Wenige Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele 1968 hatten Polizei, Armee und unbekannte Bewaffnete das Feuer auf tausende Studenten eröffnet, die friedlich im Stadtteil Tlatelolco demonstriert hatten. Bis heute ist nicht einmal die genaue Zahl der Opfer bekannt.

 

3. Oktober:
In Chincultik nahe der berühmten Lagunas de Montebello verüben lokale Polizeieinheiten ein Massaker, bei dem 6 Indígenas sterben, darunter drei Verletzte, die mit einem Gnadenschuss hingerichtet werden.
Hintergrund ist der Streit um die Nutzung der archäologischen Stätte, welche von der Dorfbevölkerung vor einem Monat mit dem Argument besetzt wurde, dass sie von den Behörden vernachlässigt werde und dass die Gemeinde zu wenig von den Einnahmen erhalte. Eigentlich waren Verhandlungen mit der chiapanekischen Regierung im Gange, um den Konflikt zu lösen. Die letzte Verhandlungsrunde fand am 2. Oktober statt, doch einen Tag darauf dringen mehrere hundert Polizisten (PFP und PEP, bundesstaatliche und föderale Einheiten unter Militärkommando) in die Zone ein, räumen diese und dringen auch in das Dorf ein, wo sie Tränengas auch gegen die Schule einsetzten, worauf die Bevölkerung sich mit Stöcken und Macheten (aber ohne Schusswaffen) wehrt und 77 Polizisten gefangen nimmt und entwaffnet. Im Verlaufe der weiteren Eskalation gibt es über 20 Schussverletzte und zwei Tote. Drei Schwerverletzte werden vom Bewohner eines Nachbardorfes mit seinem Auto abtransportiert, um sie ins Spital zu fahren. Die Polizeieinheiten halten das Fahrzeug auf, töten die drei Schwerverletzten mit einem „Gnadenschuss“ und exekutieren den Fahrer vor den Augen seiner Ehefrau. Einem der Schwerverletzten stechen sie zudem ein Auge aus.
Dieses brutale Massaker ist im Kontext der Kriminalisierung der sozialen Bewegungen zu sehen, die sich im Rahmen der Militarisierung und der „Terrorbekämpfung“ zuspitzt.

 

Oktober: 
Militäreinsatz gegen den Lehreraufstand in Morelos. Die Situation ist kritisch, gleichzeitig weitet sich die Solidarität durch die oppositionelle CNTE aus, es gibt Demonstrationen in 12 Bundesstaaten, darunter Oaxaca, Guerrero, Chiapas und DF. Der direkte Einsatz des Militärs mit Schützenpanzern gegen LehrerInnen und Bevölkerung in Xoxocotla ist ein beunruhigender qualitativer Schritt in der Kriminalisierung der sozialen Bewegungen.