11. Juni:
Ungefähr 500 Gefangene der Haftanstalt Los Altos de Chiapas in der Nähe des Ortes San Cristóbal de las Casas beenden ihren Hungerstreik, nachdem die Regierung sich dazu verpflichtete, die Bedingungen der meist indigenen Häftlinge zu verbessern und den derzeitigen Gefängnisdirektor zu ersetzen. Die Insassen, vor allem Tzotzil und Tzeltal, klagten über eine „erniedrigende“ Behandlung in der Strafanstalt und über immer häufiger werdende Gewaltdrohungen und Erpressungen durch Mithäftlinge, die Drogenbanden angehören.
14. Juni:
Javier Sicilia, Dichter und links engagierter Journalist mit befreiungstheologischem Hintergrund, dessen 24-jähriger Sohn zusammen mit weiteren Jugendlichen in Cuernavaca ermordet wurde, mobilisiert mit seinem Aufschrei „Estamos hasta la madre“ (wir haben die Schnauze gestrichen voll) weite Bereiche der mexikanischen Gesellschaft. Sicilia klagt direkt auch die Regierung als Mittäterin an den zehntausenden von Morden an und fordert eine Rückkehr der Soldaten in die Kasernen.
In Mexiko sind laut aktuellen Zahlen über 60.000 Angehörige des Militärs im innerstaatlichen Einsatz. Seit Präsident Calderón im Jahr 2006 den sogenannten „Krieg gegen das Organisierte Verbrechen“ eröffnete, starben 34.612 Menschen. Die Militarisierungsstrategie der mexikanischen Regierung hat zu einer Multiplizierung der Fälle von Folter, illegalen Festnahmen, außergerichtlichen Hinrichtungen und dem Verschwindenlassen von Personen durch Teile des Militärs, der Polizei und bewaffnete Gruppen geführt.
