Juni 2007

14. Juni:
Das neu gegründete Dorf Diez de Junio (Veracruz) wird von der Polizei und bewaffneten Schützen der Familie Faisal zerstört, die BewohnerInnen werden gewaltsam von ihrem Land vertrieben, das die Faisals mit Unterstützung der Regierung Beltrán für sich reklamieren. Zehn indigene Nahua Campesinos der Organisation Dorados de Villa und auch der Menschenrechtsbeobachter Javier Islas Cruz werden verhaftet und gefoltert und erst drei Wochen später gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen. Weiterhin vermisst wird der indigene Repräsentant Gabino Flores Cruz, dessen Verbleib seit dem Tag der polizeilichen Repression unbekannt geblieben ist.

 

Wieder große Demonstration in Oaxaca: Die Menschenkolonne vom Flughafen der Landeshauptstadt ins Stadtzentrum, zu der die örtliche Lehrergewerkschaft und die Volksversammlung der Bevölkerung Oaxacas (APPO) aufriefen, erreicht zeitweilig eine Länge von etwa zehn Kilometern. Der Marsch erinnerte an den Polizeieinsatz vor einem Jahr, der damals einen Volksaufstand auslöste. Damit wird deutlich, daß die groß angelegte Imagekampagne nicht gegriffen hat und die Angst vor einer erneuten umfassenden Repression nachgelassen hat. Gleichzeitig lässt sich die gezielte Kriminalisierung seiner Gegner durch die Justizbehörden immer schwerer aufrechterhalten. Wegen Mangels an Beweisen fällt eine Anklage nach der anderen gegen tatsächliche und angebliche APPO- Mitglieder zusammen. Von ursprünglich über 200 Verhafteten sitzen nach weiteren Freilassungen in den vergangenen Wochen noch neun Personen im Gefängnis. Die Lehrergewerkschaft Oaxacas mit ihren knapp 70.000 Mitgliedern will am Wochenende entscheiden, ob sie kurz vor Ende des Schuljahres wieder komplett streiken wird.

 

15. Juni:
40 Anhänger der Anderen Kampagne in Veracruz werden nach einer Pressekonferenz festgenommen und auf Lastwagen der Öffentlichen Sicherheit nach Chicontepec abtransportiert. Campesinos hatten letzten Sonntag ein Grundstück in Lomas del Dorado besetzt, von dem sie 23 Jahre zuvor von der Bundesarmee vertrieben wurden, und das Dorf 10 de Junio gegründet.
Die Indígenas der Organisation „Dorados de Villa“ gaben bekannt, dass sie eine neue Etappe des landwirtschaftlichen Kampfes eröffnen würden, „weil sie der bürokratischen Verfahren und der ständigen Zusetzungen der Regierung müde sind“. Das Land, das sich im Besitz der Familie von Josefina Faisal Domínguez befindet, wurden vor Jahrzehnten den Gemeinden von Tzocohuite und Lomas del Dorado zugesprochen, aber niemals übergeben: „Wir holen unser Land zurück, das uns unrechtmäßig weggenommen wurde.“
Das Netzwerk „Vereint für Menschenrechte“ (RUDH) meldet: „Die Regierung von Fidel Herrera Beltán hält die Zone unter Belagerung. Unter dem Bruch der Dialogvereinbarung, eröffnete die Staatliche Polizei das Feuer, raubte und zerstörte Fahrzeuge und verschleppte mindestens 12 Personen, die gegenwärtig als vermisst gemeldet sind“. Die Campesinos wurden in die Bezirke Chicontepec und Benito Juárez und später in das Hochsicherheitsgefängnis in Aldama transportiert. Der Aktivist Javier Islas Cruz wurde aus seinem Wagen verschleppt und gilt seither ebenso wie Gabino Flores als verschwunden.

 

18. Juni: 
Lehrergewerkschaft und APPO errichten erneut ein Protestcamp auf dem Zocalo von Oaxaca. Wenige Stunden danach wird der Compañero Cesar Luis Díaz überfallsartig und ohne Haftbefehl festgenommen. Er ist Ratsmitglied der APPO, Repräsentant für die Küstenregion und außerdem Mitglied der lokalen Organisation „Komitee zur Verteidigung der indigenen Rechte in Xanica“ (CODEDI- XANICA), von der weitere Aktivisten bereits seit Monaten unter konstruierten Anschuldigen im Gefängnis sitzen.