Anfang Juli:
Die Regierung von Chiapas verzögert zum zweiten Mal innerhalb einer Woche die Freilassung von neun indigenen Häftlingen, Anhänger der 6. Deklaration aus dem Lakandonischen Urwald, deren Freilassungspapiere bereits unterzeichnet sind: Rosario Díaz Méndez, Pedro López Jiménez, Juan Collazo Jiménez, Juan Díaz López, Rosa López Díaz, Alfredo López Jiménez, Juan López González and Benjamín López Díaz aus dem Gefängnis Nr. 5 und Enrique Gómez Hernández, aus dem Gefängnis Nr. 14, El Amate, der zum Zweck der Freilassung ins Gefängnis Nr. 5 überstellt worden war.
Alle waren auf der Grundlage von falschen Beschuldigungen und unter Folter erpressten Geständnissen mit bis zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.
Nicht freigelassen wird Alberto Patishtán Gómez, seit 13 Jahren in Haft, zu 60 Jahren Haft verurteilt. Ein weiterer politischer Gefangener, Alejandro Díaz Sántiz, zu 29 Jahren verurteilt, von denen er inzwischen 14 Jahre abgesessen hat, muss ebenfalls im Gefängnis bleiben.
Wenige Meter von der Abzweigung zu den Wasserfällen von Agua Azul führen hunderte von Tseltal-Frauen und Männer eine „informative“ Straßenblockade durch, bei der sie mit Megafon und Flyer über ihre Forderungen nach Freilassung von Alberto Patishtán, Antonio Estrada und Miguel Demeza informieren. Alle zwei Stunden wird die Blockade geöffnet, um Autos und Busse durchzulassen.
Das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas macht die Belästigung seiner MitarbeiterInnen öffentlich: Während ihrer Dokumentation zu Opfern der Polizeirepression (MitarbeiterInnen von FrayBa wollten zwei Personen interviewen, die während der Polizeirepression verletzt worden waren) wurden sie von Sicherheitsagenten und Angehörigen des ISSSTE (Institut für Sicherheit und Soziale Dienste von Staatsbediensteten) behindert. Wenige Tage später konnten ein Arzt und Kooperationspartner von FrayBa zusammen mit einer Ärztin die geplante Untersuchung des Gesundheitszustandes von Antonio Estrada Estrada aus San Sebastián Bachajon nicht durchführen. Antonio ist seit nahezu zwei Jahren inhaftiert, Anhänger der 6. Deklaration und wird als politischer Gefangener betrachtet.
22. Juli:
In San Cristóbal des las Casas fordern vertriebene pro-zapatistische Familien aus der Gemeinde Banavil von der mexikanischen Regierung eine Lösung ihrer prekären Situation und die Bestrafung der Mörder ihres Angehörigen Alonso López Luna. Die vier Tseltal-Familien wurden am 4. Dezember 2011 bei einem Angriff von 50 bewaffneten Mitgliedern der Institutionellen Revolutionären Partei (PRI) vertrieben und leben seither als Flüchtlinge in San Cristóbal. Bei dem Überfall wurden über sieben Familienmitglieder verletzt, Alonso López Luna verschwand. 20 Tage später wurde sein rechter Arm im Grenzgebiet zwischen Mercedes und Banavil wiedergefunden. Die Entführer und mutmaßlichen Mörder werden bis heute strafrechtlich nicht verfolgt.
Im westmexikanischen Bundesstaat Michoacán kommen fünf Menschen bei einem Angriff auf Mitglieder einer Bürgerwehr ums Leben. Bewaffnete Männer hatten vor dem Rathaus der Ortschaft Los Reyes das Feuer auf die Gruppe eröffnet. Im Kampf gegen das pseudo-religiöse Drogenkartell „Caballeros Templarios“ hatten die Bewohner zahlreicher Dörfer in Michoacán zu den Waffen gegriffen und Bürgerwehren gegründet.
Im Landkreis Chenalho, Chiapas kommt es zu Übergriffen auf Zapatista-Unterstützer des Ejidos Puebla. Eine evangelikanische Dorfautorität, Cruz Gómez, hatte über Lautsprecher verkündet, dass das Trinkwasser vergiftet worden sei (was sich später als Lüge erwies) und die drei Tzotziles Mariano Méndez Mendez und seine Söhne Luciano Méndez Hernández and Mauricio Mendez Hernández als Täter beschuldigt.
