Mehr als 10.000 Zapatisten feiern in Oventik den „Tod der Aguascalientes und die Geburt der Caracoles“ als Beginn einer neuen Strategie des Widerstandes und Ausweitung der Autonomie.
In den fünf „Caracoles“ (dt.: Meeresschnecken), die jeweils sieben municipios umfassen, befinden sich die „juntas de buen gobierno“ (dt.: Räte der Guten Regierung). Diese Räte werden durch je zwei „autoridades“ (MandatsträgerInnen) der municipios gebildet. Ihre Aufgaben liegen darin, für die Einhaltung der revolutionären Gesetze der EZLN und ihrer Gemeinden zu sorgen, Streitigkeiten zu schlichten, den Austausch mit der Zivilgesellschaft zu koordinieren und eine den eigenen Bedürfnissen entsprechende Verteilung der Hilfsprojekte zu erreichen.
Das Bild der Schnecke verdeutlicht die Bemühungen, eine autonome Selbstverwaltung des gehorchenden Regierens zu verwirklichen. Durch den Eingang in das Schneckenhaus, der die Tür zu einer kollektiven Entscheidungsfindung darstellt, und die Spirale des politischen Diskurses sollen alle Stimmen gehört werden, um schliesslich im Zentrum zu einem Konsens zusammenzukommen. Umgekehrt werden getroffene Beschüsse durch die Spirale des Schneckenhauses wieder in die Welt getragen.
Zur gleichen Zeit moderiert Sup Marcos das erste auf Kurzwelle international gesendete Programm von „Radio Insurgente – die Stimme der EZLN“ und verkündet das Ende seiner kurzzeitigen Sprecherrolle für die Räte der guten Regierung, deren Vertreter nun bei Bedarf selbst sprechen wuerden. Ebenso kündigt er die Auflösung aller EZLN-Strassenkontrollen in Chiapas an, eine Überprüfung von Fahrzeugen erfolge nur noch beim Verdacht auf Schmuggel von Drogen, Waffen oder Edelhölzern. Dieser Entschluss sei gefasst worden, weil jede gute Regierung, so Marcos, mit der Vernunft und nicht mit der Armee regieren sollte.
