Kategorien: Chronologie

Geschichte Timeline

März 2018

8. März
„Gib nicht auf!“: Zapatistinnen beenden erstes internationales Frauentreffen
Sport, Kultur und Debatten standen im Mittelpunkt des dreitägigen Treffens, zu dem die Zapatistinnen vom 8. bis 10. März 2018 Besucherinnen aus aller Welt eingeladen hatten. Der Erfolg war überwältigend: es kamen rund 5000 Frauen, die das Treffen zusammen mit 2000 Zapatistinnen begingen. Insgesamt gab es rund 180 Workshops, Debatten, Konzerte und Theaterstücke sowie Turniere in verschiedenen Sportarten. Das Treffen stand im Zeichen der Erinnerung an die Gewalt gegen Frauen. Es wurden weitere Treffen dieser Art für die Zukunft angekündigt.

 

Mitte März
Mitglieder von mehr als 20 indigenen Völkern, Vertreter*innen kleinbäuerlicher Gemeinden, Organisationen und Kollektive aus 23 mexikanischen Bundesstaaten in Mexiko-Stadt trafen sich. Mit ihren eigenen Erfahrungsberichten als Grundlage setzten sie eine Landkarte der Bedrohungen zusammen, denen ihre Territorien ausgesetzt sind. Für die indigene Bevölkerung haben die Ländereien eine besondere Bedeutungen, die sie zum Teil eines größeren Ganzen machen, dem Territorium. Dieses ist ein physischer, vieles umfassender Raum, der gemeinsam und in einer Wechselbeziehung mit der Natur entsteht. Das Territorium umfasst die produktiven Funktionen der Böden, aber auch das Konzept der Heimat, Kultur, Religion, geheiligter Stätten und der Vorfahren, die natürliche Umgebung mit Wasser, Wald und Mineralstoffen.

 

20. März
In den Landkreisen Aldama und Chenalhó, in der Nähe vom Caracol Oventic, wurden 6 Dörfer mit hochkalibrigen Schusswaffen angegriffen. Am 20. März wurden 145 Familien vertrieben, am 24. März weitere 90 und am 26. März wurde der Gemeindehauptsitz Aldama angegriffen. Das Gemeindehaus, die Kirche und der Markt wurden beschossen. Die vertriebenen Familien sind in den Bergen verstreut, ohne Zugang zu Gesundheitsversorgung oder sonstiger Unterstützung. In Aldama schwelt der Landkonflikt schon seit Jahren, im Mai 2016 wurden dort 7 Familien vertrieben.
Der Aggressor ist eine Paramilitärische Gruppe aus Manuel Urtilla, Chenalhó. Es existieren Zeugenaussagen, dass diese Gruppe weiterhin Mitglieder rekrutiert und dass sie Verbindungen haben zu den Paramilitärs, die von Chenalhós Gemeindepräsidentin Rosa Perez Perez kontrolliert werden, welche für die Vertreibungen von mehr als 5000 Personen in Chalchihuitán vom 24./25. Nov. 2017 verantwortlich sind.
Zapatistische Unterstützungsbasen in diesen Ortschaften von Aldama und Manuel Urtilla laufen in Gefahr, auch vertrieben zu werden.

 

24. März
Der Nationale Indigene Kongress (CNI), der Indigene Regierungsrat (CIG) und die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) haben sich in einer gemeinsamen Erklärung zum Scheitern ihrer Initiative für eine Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen im Juli geäußert. Alle beteiligten und interessierten Personen und Gruppen werden aufgerufen, sich an einem „kollektiven, partizipativen, integrativen, ehrlichen und aufrichtigen“ Auswertungsprozess der Initative zu beteiligen. Dafür wurde auch eine Mailadresse eingerichtet, an die Überlegungen und Analysen geschickt werden können. Am Ende der Mitteilung bekräftigen die Organisationen ihrer Widerstand und ihre Rebellion sowie den internationalen Charakter des Kampfes um eine „Welt, in die viele Welten passen“ und kündigten weitere öffentliche Veranstaltungen im Lauf des Jahres an.

 

29. März
Am Donnerstag, 29. März, während eines Umzugs im Dorf San Dionisio del Mar, wurden Aktivisten der Vollversammlung des Dorfes von Bewaffneten angegriffen. Die Schüsse wurden aus dem Haus der Lokalen PRI-Präsidentin abgegeben. Fünf Jugendliche wurden verletzt, davon einer schwer. Die Vollversammlung von San Dionisio del Mar kämpft seit 6 Jahren gegen ein Windkraftmegaprojekt und hält das Gemeindehaus besetzt.

 

30. März
Bevor der Wahlkampf in Mexiko offiziell begonnen hat, wurden zahlreiche Lokalpolitiker durch das organisierte Verbrechen bedroht. Über 80 Tote innerhalb der letzten sieben Monate sind im Zusammenhang mit den Wahlen zu beklagen.

Juni 2018

Juni
Im Juni hat erstmals auch ein mexikanisches Bundesgericht die damals unter dem Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam begonnenen, unseriös geführten, Untersuchungen „zerpflückt“ und eine Wahrheitskommission vorgeschlagen. Dasselbe schlug letztes Jahr eine unabhängige Interamerikanische Untersuchungskommission vor, welche von Mexiko zurückgewiesen wurde.
Nun hat ein Bundesrichter von Tamaulipas die Gründung einer neuen Wahrheitskommission auf unbestimmte Zeit suspendiert. Die Eltern der verschwundenen Studenten kündigen an, weiter nach ihren Söhnen zu suchen.

 

2. Juni
UNO fordert Mexiko zu Maßnahmen gegen Verschwindenlassen in Nuevo Laredo auf.

 

18. Juni
2 Jahre nachdem 8 Personen in Nochixtlán umgebracht wurden, fordert die UNO die Wahrheit und Gerechtigkeit für die Opfer.
Das Büro des Hohen Kommissariats für Menschenrechte der UNO in Mexiko beurteilt es als äusserst beunruhigend, dass „der mexikanische Staat in verschiedenen Erklärungen die Bevölkerung und Demonstrierenden beschuldigte, und sich bislang weigerte, die Verantwortung der Behörden für die schmerzhaften Ereignissen zu übernehmen“, bei denen 8 Personen in einer Polizeiaktion ums Leben kamen, als eine Strassensperre aufgelöst werden sollte. Die Forderung nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung sei immer noch hängig.

Juli 2018

1. Juli
Erstmals seit 1940 wurde in Mexiko ein linker Präsident gewählt: Andrés Manuel Lopez Obrador gewinnt die Wahlen. Claudia Sheinbaum von MORENA wird die erste Präsidentin von Mexiko Stadt.
Die Zapatistas sagen: Sie können den Vorarbeiter wechseln, der Grossgrundbesitzer bleibt der gleiche.

 

6. Juli
Konzessionen für bisher geschützte Gewässer in Mexiko
Der scheidende Präsident von Mexiko, Enrique Peña Nieto, hat kurz vor der Präsidentschaftswahl vom vergangenen Sonntag zehn Dekrete zur Freigabe von 300 bisher geschützten Wassereinzugsgebieten unterzeichnet. Experten befürchten Einschränkungen des Rechts auf Wasser und die Ausbeutung des Rohstoffs durch die Privatwirtschaft mit gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt. Die neu auszustellenden Konzessionen betreffen 55 Prozent der mexikanischen Flüsse und Seen und sollen bis zu 50 Jahre gelten.

Oktober 2004

Oktober:
In Absprache mit dem Rat der Guten Regierung in La Realidad verlassen die zapatistischen Familien von San Isidro ihr Dorf in den Montes Azules als Flüchtlinge, um der Konfrontation mit den Behörden auszuweichen und sich näher am Caracol der Region anzusiedeln. Der Rat der Guten Regierung wiederholt jedoch die Warnung, daß jede Zerstörung der Natur und Ausbeutung der Ressourcen auf entschiedenen Widerstand der Indígenas stoßen werde. Die Zivilgesellschaft wird dringend gebeten, die Flüchtlinge zu unterstützen, die damit ihre gesamte Lebensgrundlage erneut verloren haben.

September 2004

September:
Um die Verteidigung ihres Wassers zu sichern, gründen Mazahua-Frauen im Bundesstatt Mexiko ein zapatistisches Frauenheer.

August 2004

6. August:
Das Ya-Basta-Netz demonstriert in Berlin gegen die Repression in Mexiko.

 

9. August:
6.000 Menschen feiern in Oventik ebenso wie in den anderen Caracoles das einjährige Bestehen der Räte der Guten Regierung mit feurigen Reden, Musik, Tanz und Basketballturnieren.
Subcomandante Marcos präsentiert eine ebenso ausführliche wie selbstkritische Bilanz.

Juli 2004

Juli:
Verstärkte Repression gegen die AktivistInnen des CIPO-RFM in Oaxaca: Nach gewaltsamen Übergriffen am 10. Juli in Cruz Huatulco durch PRIistas und Polizeieinheiten wird Edgar Torija Pérez in Etla am 11. Juli beim Plakatieren überrascht und durch Messerstiche tödlich verwundet. Einen Tag darauf werden mehrere CIPO-AktivistInnen in Santa Cruz
Hutulco durch PRIistas verletzt und Pedro Cruz Salazar (beide CIPO-Aktivisten) in Yocunicuca (Gemeinde Yosonotu) durch Paramilitärs aus Santa Lucía Monteverde ermordet. Am Tag darauf tauchen die Mörder erneut in der indigenen Gemeinde auf, feuern um sich und drohen mit weiteren Anschlägen.
Als Reaktion darauf stürmen am 15. Juli mehr als 1.000 Indígenas Oaxaca-Stadt mit brennenden Fackeln mehrere öffentliche Gebäude in Tlaxiaco, Nochixtlán, Etla, Ixtlán und Oaxaca. Die Besetzungen verlaufen friedlich, phantasievoll und entschlossen. Lediglich dem Obersten Gerichtshof gelingt es, rechtzeitig die Eingangstüren zu verschließen, und so genügen sich die DemonstrantInnen damit, das Gebäude zu umzingeln.
Die Aufforderung zum Dialog wird jedoch von sämtlichen Regierungsvertretern ignoriert, daher schließen sich die portestierenden Indígenas den Mahnwachen an mehreren öffentlichen Plätzen in der Stadt an, die seit dem 20. April ausharren und Gerechtigkeit und ein Ende der Repression fordern.

Juni 2004

7. Juni:
Eduardo Vázquez Álvaro, Indígena-Aktivist und Mitglied der zapatistischen Gefangenenorganisation „Die Stimme des Cerro Hueco“, wird im Stadtzentrum von Chilón ermordet. Fünf Männer aus zwei Autos verletzen Eduardo zunächst mit Schußwaffen und Macheten und überrollen schließlich seinen leblosen Körper.
Hunderte Zapatistas und SympathisantInnen beschuldigen am nächsten Tag in einer Großdemonstration lokale Großgrundbesitzer und Kaziken, als Drahtzieher für den Mord verantwortlich zu sein. Polizei- und Militäreinheiten, die durch die Ortschaft patroullieren wollen, müssen sich unter einem Steinhagel der Demonstrierenden zurückziehen.

Mai 2004

17. Mai:
Die Grüne Ökologische Partei (PVEM) fordert die Räumung der zapatistischen Dörfer in Montes Azules und die Ausweisung von „Unruhe stiftenden Ausländern“.
Am selben Tag verkündet das Ministerium für soziale Entwicklung ein gemeinsames Projekt der EU und der mexikanischen Regierung in Höhe von 31 Millionen €, mit denen „die nachhaltige Entwicklung der Selva Lacandona“ gefördert werden soll.

 

April 2004

April: 
Das Internationale Rote Kreuz kündigt an, Chiapas innerhalb der nächsten drei Monate zu verlassen und seine Bemühungen anderen Bevölkerungen zu widmen, die wie in Kolumbien und Irak unter den Zerstörungen kriegerischer Konflikte leiden.

 

10. April:
4.000 Zapatistas werden in Zinacantán nahe Oventik von Mitgliedern der PRD mit Steinwürfen, Feuerwerkskörpern und Schußwaffen angegriffen, als sie von einer Demonstration zur Unterstützung von rund 70 zapatistischen Familien zurückkehren, denen vom PRD-Bürgermeister die Wasserzufuhr abgestellt wurde. Es ist der schwerste Angriff auf die Anhänger des zapatistischen Befreiungsheers EZLN seit Jahren (20 Verletzte, 2 Schwerverletzte).

 

19. April:
Pável Gónzalez, Aktivist im Streik der UNAM und der Kooperative Smaliyel, wird in Mexiko-Stadt entführt, gefoltert, vergewaltigt und ermordet.

 

25. April:
101 indigene Familien kehren unter dem Schutz von MenschenrechtsbeobachterInnen, dem Rat der Guten Regierung von Oventik und EZLN-VertreterInnen in ihre zerstörten Häuser in Zinacantán zurück.