4. Mai:
Mit der Forderung nach Bestrafung der Verantwortlichen für die Menschenrechtsverletzungen, die vor einem Jahr vom mexikanischen Staat gegen die Anwohner von San Salvador Atenco und Texcoco verübt wurden; nach der „bedingungslosen und umgehenden“ Freilassung der 29 Personen, die sich infolge der Polizeieinsätze in diesen Bezirken weiterhin in Haft befinden, und nach der Aussetzung der Haftbefehle gegen die Anführer der Volksfront zur Verteidigung des Landes (FPDT), marschieren tausende Mitglieder dieser Bewegung und Anhänger der Anderen Kampagne vom Monument des Angel de la Independencia zum Gebäude des Regierungsministeriums.
„Heute bitten wir nicht um eine Minute des Schweigens, sondern um ein ganzes Leben des Kampfes“ lautet eins von hunderten Spruchbanner der Atenco-Bewohner, die wie schon fünf Jahre zuvor – als sie gegen den Bau eines neuen Flughafens für Mexiko Stadt in ihrem Dorf kämpften – ihre Macheten gegen den Asphalt der Hauptstadt schlugen.
5. Mai:
Während hunderte Anhänger der Anderen Kampagne mit einem motorisierten Protestzug von Mexiko Stadt zum Gefängnis von Santiaguito ziehen, werden Ignacio del Valle, Hector Galindo und Felipe Alvarez, drei der Anführer der Volksfront zur Verteidigung des Landes (FPDT) in Atenco, zu Gefängnisstrafen von jeweils 67 Jahren verurteilt.
„Wir wurden darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein Gerichtsbürokrat gerade ein Strafurteil gegen unsere drei Compañeros von der FPDT verhängt hat, das sie zu mehr als 60 Jahre Gefängnisstrafe verurteilt. Wir als Zapatisten möchten lediglich sagen, dass dieser Gerichtsbürokrat äußerst naiv sein muss, denn diese Strafe wird keine 60 Jahre dauern. Schon lange vorher werden sich die Gefängnisse von Altiplano, Santiaguito, El Molino de las Flores und alle anderen des Landes öffnen, und alle politischen und Gewissensgefangenen werden freikommen. Sie werden nicht lange leer stehen, um danach Enrique Peña Nieto, Vicente Fox, Eduardo Medina Mora und diese ganze Bande von Schweinehunden aufzunehmen“, warnt Subcomandante Insurgente Marcos.
8. Mai:
Calderón verfügt die „Enteignung“ von 14.960 Hektar auf dem Gebiet der Lakandonen „für die Anlage eines neuen Schutzgebietes für die natürlichen Ressourcen und zu deren Schutz, Erhalt, Restauration und nachhaltiger Nutzung“. Die überaus erfreute Gemeinde der Lakandonen erhält dafür 58 Millionen Pesos. Ohne zu präzisieren wo das enteignete Landgebiet lokalisiert ist, soll es zu jenen Zonen gehören, „die aufgrund ihrer natürlichen Ressourcen einem starken Druck unterliegen“. Der Grund hierfür ist, dass die „Lakandonische Zone“ ein hydrologisches System darstellt, das 53 % des Flussbeckens des Usumacinta umfasst, der mit dem des Grijalva der umfangreichste in ganz Mexiko ist, mit einem jährlichen Wasserlauf von durchschnittlich 85 Billionen Kubikmetern. Gemeinsam stellen sie 30 % der oberflächlichen Wasserreserven des Landes dar und generieren 56% des landesweit aus Wasserkraft erzeugten Stroms.
16. Mai:
In einem Bericht an die Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (CIDH) nimmt die Mexikanische Regierung Stellung zu dem Überfall auf die Gemeinde Viejo Velasco Suárez im Herbst vergangenen Jahres: „Am 13. November 2006 wurde ein Einsatz ausgeführt, unter Beteiligung von 5 Agenten der Generalstaatsanwaltschaft, 2 Sachverständigen, des Regionalkommandanten der Selva Zone der Staatlichen Ermittlungsbehörde und 7 seiner Untergebenen, sowie von 300 Elementen der Sektorpolizei, der Staatlichen Behörde für Öffentliche Sicherheit von Chiapas und eines Vertreters der Behörde für Soziale Entwicklung.“ Im Zuge dieses Einsatzes wären den Beamten zwei leblöse Körper übergeben worden.
Nach Aussagen der Überlebenden wurde das Dorf gegen 6 Uhr morgens von etwa 40 Angreifern in Zivilkleidung gestürmt, gefolgt von etwa 300 Personen in Stiefeln und schwarz-blauen Uniformen, wie sie für die Sektorpolizei charakteristisch sind, die Waffen großen Kalibers trugen und teilweise ihre Gesichter verhüllt hatten. Weitere Augenzeugen berichten davon, dass die Strasse dieser Zone seit 3:30 Uhr morgens von einem Lastwagen der Sektorpolizei voller Polizeibeamten überbewacht wurde.
Das Menschenrechtszentrum FrayBa beschuldigt den Mexikanischen Staat der Lüge und der Verantwortung für die Morde an Filemón Benítez Pérez, Antonio Mayor Benítez Pérez, María Núñez González und Vincente Pérez Díaz, das Verschwinden von Pedro Núñez Pérez, Mariano Pérez Guzmán, Miguel Moreno Montejo und Antonio Peñate López.
