Mai 2011

3. Mai:
Der politische Gefangene Abrahám Ramírez Vásquez, Mitglied der lokalen Organisation CODEDI aus dem zapotekischen Dorf in der Sierra Sur, wird nach mehr als 6 Jahren aus der Haft entlassen. Abrahám gilt als erster politischer Gefangener des ehemaligen Gouverneurs von Oaxaca, Ulises RuizOrtíz, in dessen zweitem Amtsjahr sich 2006 ein mehrmonatiger Volksaufstand entwickelte.
Abrahám war gemeinsam mit anderen Männern und Frauen in Xanica für eine autonome Regierung des Dorfes ohne Einmischung durch politische Parteien eingetreten, bis die Polizei am 15. Jänner 2005 das Dorf stürmte, das Feuer auf die unbewaffneten BewohnerInnen eröffnete und den schwer verletzten Abrahám inhaftierte. Die konstruierte Anklage warf ihm vor, gemeinsam mit seinen Brüdern einen Polizisten ermordet zu haben.
Organisationen der Allianz COMPA unterstützten Abrahám während seiner Haft durch Solidaritätsaufrufe und Platzbesetzungen und zollten ihm vor allem dafür Respekt, dass er das „Angebot“ der Regierung scharf zurückgewiesen hatte, freigelassen zu werden, wenn er sich im Gegenzug von dem politischen Kampf für Demokratie im Jahre 2006 distanzieren würde.
„Mein Kampf ist breiter“, schreibt er in einem Brief vom 2. April 2011 noch aus dem Gefängnis, „denn für mich ist ganz klar: Nur wenn wir marginalisierten Völker, die wir unter Ungerechtigkeit leiden, gemeinsam kämpfen, kommen wir voran“.

 

4. Mai:
Über 100 Menschenrechtsgruppen, Nichtregierungsorganisationen und Einzelpersonen in Mexiko und weltweit fordern anlässlich des fünften Jahrestages der Repression von San Salvador Atenco Gerechtigkeit für die Opfer.

 

7. & 8. Mai:
Während der viertägige Schweigemarsch gegen den Krieg und für Gerechtigkeit von Cuernavaca nach Mexiko Stadt am Sonntag auf dem Zocalo von Mexiko Stadt wurden rund 100.000 Personen vereint, demonstrieren tags zuvor rund 20.000 Zapatistas in San Cristobal de Las Casas, Chiapas.
In der zentralen Botschaft der EZLN prangert Comandante David die gescheiterte Strategie von Präsident Calderón an: „Die schlechten Regierungen haben das Problem geschaffen, und sie haben es nicht nur nicht gelöst, sondern noch erweitert und vertieft. Wir sind auf die Straße gegangen, weil wir uns aufgerufen fühlten durch die würdevolle Wut von Müttern und Vätern von Jugendlichen, die durch kriminelle Banden und durch den Zynismus der Regierung umgebracht wurden.“
Die Zapatistas fordern nicht nur die Entmilitarisierung des Landes, sondern auch eine Abkehr von der fatalen neoliberalen Wirtschaftspolitik sowie Autonomie für die mehr als 60 indigenen Bevölkerungsgruppen im Land. Comandante David beendet die Rede mit folgenden Worten: „Heute sind wir hier, um dem Aufruf jener zu antworten, die für das Leben kämpfen. Und denen die schlechte Regierung mit Tod antwortet. Es geht um einen Kampf für das Leben und gegen den Tod. Es lebe das Leben, die Freiheit, die Gerechtigkeit und der Frieden! Tod dem Tod! Für alle alles, für uns nichts!“