April 2013

3. April:
Zusammenstößen zwischen Polizisten und Gegnern eines Windparkprojektes fordern in Playa Vicente, Oaxaca 32 verletzte Polizisten – zwei davon schwer – und elf verletzte Anwohner. Zur Eskalation kam es als Polizeikräfte versuchten, sieben Fahrzeuge und Baumaschinen, welche von lokalen Windparkgegnern besetzt wurden, den Eigentümern zurückzugeben. Die Gegner des geplanten Windparkprojekts argumentieren, dass die Gemeindeländereien widerrechtlich privatisiert und dem spanischen Unternehmen Gas Natural Fenosa verpachtet wurden. Seit dem 25. Februar versperren sie deshalb den Konstrukteuren des drittgrößten Windparks Lateinamerikas den Zugang zur Meereslagune südlich es Ortes Juchitán.
In den Tagen zuvor hatte die Gewalt gegen die Aktivisten gegen die Windparks und auch gegen Journalisten massiv zugenommen: Der Radioreporter Filiberto Vicente Aquino vom Gemeinderadio in Santa María Xadani und Mariano López, der Sprecher der „Versammlung von Juchitán“ erhielten Morddrohungen. Mehrere Journalisten und zahlreiche Aktivisten in San Mateo del Mar wurden illegal festgehalten. Das in Juchitán ansässige Gemeinderadio Totopo wurde von Bewaffneten gestürmt, die Computer und Sendeanlage entwendeten und den Strom unterbrachen.

 

10. April:
Zum 94. Todestag von Emiliano Zapata erlebt der Bundesstaat Guerrero eine der größten Demonstrationen der jüngeren Geschichte: 60.000 Personen demonstrieren in der Regionalhauptstadt Chilpancingo gegen die Strukturreform im Schulwesen, die von den drei großen Parteien im mexikanischen Parlament und der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto ohne Konsultation der Lehrerschaft durchgesetzt wurden. Im Anschluss an den „Megamarsch“ geben die sozialen Organisationen die Bildung des Aktionsbündnis Volksbewegung Guerreros (Movimiento Popular de Guerrero, MPG) bekannt. Regierung und Medien reagieren äußerst nervös, insbesondere seit Anfang der Woche eine Gruppe von 50 Dorfpolizisten der autonomen Gemeindepolizei friedlich, aber mit ihren Flinten bewaffnet an einer Demonstration in Chilpancingo teilnahmen.
Auch in Guerrero kam es zu Demonstrationen gegen die Bildungsreform und zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen protestierenden Lehrern und der Polizei, nachdem rund 1.500 Polizeikräfte begannen, die Blockade der Autobahn zwischen Mexiko-Stadt und Acapulco gewaltsam aufzulösen. Dabei wurden fünf Lehrer festgenommen, und es kam zu insgesamt 14 Verletzungen auf beiden Seiten.

 

24. April:
Juan Vázquez wird von Unbekannten mit sechs Schüssen in seinem Haus in San Sebastián Bachajón regelrecht hingerichtet. Vázquez war seit Jahren als Aktivist im Umfeld der EZLN aktiv und engagierte sich als Unterstützer der „Sechsten Deklaration aus dem Lakandonischen Regenwald“ für eine zivile, außerparlamentarische Neuordnung der mexikanischen Gesellschaft gegen Rassismus, Kapitalismus, Sexismus und Naturzerstörung. Vázquez genoß den Respekt diverser Gemeinden seiner Heimatregion und kämpfte auf friedliche Weise gegen zerstörerische Entwicklungsprojekte.
Das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas fordert eine schnelle Aufklärung des Mordes an Vázquez und erinnert daran, daß immer wieder indigene Aktivisten Opfer von Gewaltverbrechen werden.
Die Bewohnerinnen und Bewohner von Bachajón kündigen an, daß ihr Widerstand gegen die neoliberalen Projekte weitergehen wird.