café Rebeldía Infos Hintergrund aktiv über uns links Bilder  
 

café Rebeldía

 
Was ist Café Rebeldía?

Bestellen
Infos
Verkaufsstellen
 
 

Infos

 
16.9.2007
Kaffeehersteller eines alternativen Verbandes bedrohen Zapatisten in Chiapas
2.6.2007
Giftiges Geschäft
21.4.2007
Der Wettlauf um die Bohne
3.1.2007
Farewell, Fairtrade!
20.12.2006
Crisis del café agudizó éxodo
1.12.2006
Die Mühen der Kaffeeberge
7.7.2006
ZOFF UM LABEL
5.7.2006
Nestlé, Lidl & Co. – Weltmeister des fairen Kaffeehandels ...
1.12.2005
Rebellenbohnen mit Knospe
14.10.2005
Fairtrade goes Nestlé
 
| »

Umfrage zu einem möglichen Verzicht auf das Bio-Label

--- Café RebelDía ---
22. Oktober 2012

Liebe Café RebelDía KundInnen und WiederverkäuferInnen:

Wir ziehen in Erwägung, Kaffee von Kooperativen zu importieren, welche Certimex für das Bio-Labeling keine Gebühren mehr bezahlen wollen. Certimex ist eine mexikanische Zertifizierungsagentur, welche anhand von Stichproben den biologischen Anbau kontrolliert (u.a. im Auftrag von bio inspecta). Wird auf dieses Label verzichtet, so entfällt auch die Bezeichnung „bio“ auf der Verpackung. Wir möchten Euch die Hintergründe und Überlegungen der Kooperativen und unsere Haltung diesbezüglich darlegen. In dieser Diskussion ist wichtig voraus zu schicken, dass wir zu den Kooperativen einen persönlichen Kontakt pflegen, sie regelmässig besuchen und auch ihre Felder besichtigen.

Deine Meinung interessiert uns! Zur Umfrage

Labeling als gewinnorientiertes Unterfangen

Das Ziel der Kooperativen mit denen wir handeln, ist, sich basisdemokratisch zu organisieren und eine autonome Struktur von unten aufzubauen. Ein wichtiger Pfeiler dabei ist der alternative Handel, wie wir ihn von Café RebelDía betreiben. Einer der Grundsätze ist die Zusammenarbeit mit gewinnorientierten Unternehmen auf ein Minimum zu reduzieren. Certimex ist eine Organisation, die querbeet bei Grossbetrieben, Kooperativen und KleinbäuerInnen gegen Bezahlung das Bio-Label ausstellt. Die Richtlinien sind einseitig, sie enthalten weder eine Einschränkung der Transportwege noch Bedingungen zu ArbeiterInnenrechte.
Hierzu die Worte eines zapatistischen Kaffeebauers: „Warum sollen wir wegen dem „Bio-Stempel“ irgendwelchen Funktionären, die einmal im Jahr mit ihren Aktenköfferchen eine Stichprobe (bei insgesamt 600 Familien) nehmen, Geld in den Hintern schieben? Wir können uns selber zertifizieren.“
In der Schweiz zahlt Café RebelDía/gebana 10Rp/kg an Bio Inspecta. In Mexiko bezahlt die Kooperative ca. 2500 Fr. für die Zertifizierung der gesamten Produktion an Certimex. Da die Kooperativen trotz des höheren Preises, den wir zahlen, sich immer noch in einer relativ prekären finanziellen Situationen befinden, wollen sich einige diesen Betrag nicht leisten.

Biologische Produktion aus Überzeugung

Mexikanische indigene BäuerInnen haben ursprünglich biologisch produziert. Die Erde ist in ihrem Glauben die Mutter, die sie ernährt. Deshalb ist ihnen ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen wichtig. Chemische Dünger und Pestizide wurden erst mit dem Einzug der kapitalistischen Marktwirtschaft eingeführt. Marginalisierte BäuerInnen fielen auf die „Mehr Früchte mit weniger Aufwand“ Slogans rein und endeten in der Schuldenspirale bei Monsanto. Die Logik ist mittlerweile durchschaut, die Folgen wie verseuchte Felder, todkranke LandarbeiterInnen und verschuldete Bauern bleiben.

Was bedeutet Autozertifizierung?

Momentan exportieren vier zapatistische Kooperativen ins Ausland. Eine davon, Ssid Lequil Lum aus der Zona Norte, setzte von Anfang an auf die Autozertifizierung. Sie besitzen ein Reglement der Biorichtlinien, welches strikt befolgt wird.
Jeder Bezirk hat einen Kaffeeverantwortlichen, der sich zum sogenannten „Agrotechniker“ ausgebildet hat. Dieser vermittelt den BäuerInnen modernes und traditionelles Wissen im biologischen Landbau. Er besucht die Felder, gibt Tipps und ermahnt, wenn die Richtlinien nicht eingehalten werden. Die Kaffeeverantwortlichen stehen in engem Kontakt mit der autonomen zapatistischen Regierung. Die Kontrolle bei der Autozertifizierung sieht bei der Kooperative Ssid Lequil Lum folgendermassen aus: Die Region hat 7 Bezirke. Jeder Bezirk zählt 5-14 Dörfer und hat einen Kaffeeverantwortlichen, welcher die Bauern in seinem Bezirk mit Fachwissen unterstützt. Der Kaffeeverantwortliche eines Bezirks kontrolliert die Felder eines anderen Bezirks. Damit wird verhindert, dass jemand bei seiner Tante oder seinem Schwager kontrolliert.
Die Kontrolle wird nach internationalem Reglement der Bio-Richtlinien durchgeführt, dazu gehört: die Anzahl Schattenbäume, Terassierung, Düngung, Pflanzenabstand, andere Pflanzen auf dem Feld, Lagerung und äussere Einflüsse (wenn z.B. der Nachbar Gift einsetzt, ist wegen der Windübertragung ein Feld nicht bio-zertifizierbar).

Position von Café RebelDía

Nach unseren Besuchen vor Ort und den Gesprächen zur Zertifizierung sind wir der Meinung, dass der autozertifizierte Kaffee mehr als „biologisch“ ist, da die Kooperativen neben der strikten Umsetzung der Richtlinien auch traditionelles Wissen weiterverbreiten. Diese Form stärkt das Fachwissen vor Ort und die Unabhängigkeit der Kontrolle wird durch interne Mechanismen (gegenseitige Kontrolle über Bezirksebene hinweg, Überprüfung durch die autonome zapatistische Regierung) gewährleistet. An der Qualität wird sich unser Erachtens nichts ändern. Unsere KollegInnen aus dem europäischen Kaffeenetzwerk (RedProZapa) in Griechenland, Frankreich, Deutschland und Italien importieren und verkaufen seit Jahren erfolgreich den autozertifizierten Kaffee.
Heutzutage kann man bio-zertifizierte Fertiggerichte im Supermarkt kaufen. Auch aus dem Ausland transportierte Bio-Frisch-Produkte sind neben inländischen nicht-zertifizierten Produkten keine Seltenheit. Wir denken jedoch, dass bewusste Produktion und Konsum stärker zu gewichten ist als der blosse Kauf von Labels.
Diesen Artikel drucken