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Kaffeehersteller eines alternativen Verbandes bedrohen Zapatisten in Chiapas

--- Andreas Henrichs ---
16. September 2007

Spaltung als Teil der Regierungspolitik

Im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas ist es in den vergangenen Wochen wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen zapatistischen Gemeinden und einer alternativen Kaffeekooperative gekommen. Offenbar geht es bei dem gewalttätigen Konflikt um eine Rückdrängung des Einflusses der zapatistischen Basis. Besonders heikel: Die Angreifer gehören zu der Kaffeekooperative »Ejido Union der Selva« (UES). Deren Erzeugnisse werden in europäischen Dritte-Welt-Läden als fair gehandelte Produkte verkauft.

»Ernst und angespannt« ist die Lage nach Einschätzung von Victor Hugo López vom Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba), seit die zapatistische Gemeinde »24 de Diciembre« Mitte Juli überfallen wurde. Damals stürmten 65 mit Macheten bewaffnete Mitglieder der UES die Siedlung im lakandonischen Regenwald an der Grenze zu Guatemala und raubten Baumaterial. In unmittelbarer Nähe des Dorfes und eines benachbarten Militärcamps begannen sie Bäume zu fällen und ein befestigtes Lager zu errichten. Anfang August dann traf in der zapatistischen Gemeinde ein Drohbrief ein. Die Bewohner sollten ihre Häuser innerhalb von 72 Stunden »freiwillig räumen«. Täten sie es nicht, sei man bereit, »auch Blut zu vergießen«.

Die 145 Bewohner des Ortes weigerten sich, seither wird das Dorf belagert. Die »Junta der guten Regierung«, eine Art regionaler Verwaltungsrat der Zapatistischen Armee zur Nationalen Befreiung (EZLN), entsandte zum Schutz der Gemeinde mehrere Dutzend Feiwillige, die unbewaffnet patrouillieren. Nach Angaben des Menschenrechtszentrums Frayba werden sie von mindestens vier internationalen Beobachtern unterstützt.

Das Land, auf dem sich die 525 Hektar große Gemeinde »24 de Diciembre« befindet, war über viele Jahre im Besitz des Generals Absalón Castellanos Domínguez, einem Exgouverneur von Chiapas. Im Zuge des Aufstandes der EZLN wurde das Land 1994 besetzt und an 45 indigene Familien übergeben. Als die mexikanische Armee ein knappes Jahr später eine Großoffensive gegen die Guerillaorganisation startete, wurden die Einwohner des Dorfes zur Flucht in die Berge gezwungen. 31 Familien sind Ende vergangenen Jahres unter dem Schutz der EZLN zurückgekehrt. Der ursprüngliche Besitzer war von der Behörde für Agrarreform (SRA) inzwischen entschädigt worden. Die Regierung hatte das Land »offiziell« an Mitglieder der UES übergeben. Der Grundstein für den aktuellen Konflikt war damit gelegt.

Vor fünf Jahren sorgte die UES noch für positive Schlagzeilen. Damals wurde die in Mexiko und den europäischen Städten Amsterdam, Paris und Barcelona operierende Cafeteria-Kette »El Café La Selva« von dem World Resources Institut (WRI) ausgezeichnet. Das WRI begründete seine Entscheidung damals mit dem »sozialen und ökologischen Verantwortungssinn« der Preisträgerin. Deren Hauptlieferant und Teilhaber ist die UES, die bereits Anfang der neunziger Jahre für ihre Erzeugnisse die ökologische Zertifizierung von der Organic Crop Improvement Association (OCIA) und der deutschen »Naturland« erhielt. Ein Drittel des UES-Kaffees wird geröstet und über die Cafeteria-Kette vertrieben. Der Rest wird als Rohware in die EU, die USA und Kanada exportiert, wo er als Bio- oder Fair-Trade-Kaffee verkauft wird.

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