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APPO-Aktivist Juan Manuel Martínez bald frei. Wer wird als nächstes für den Mord am Indymedia-Aktivisten Brad Will verhaftet?

--- Direkte Solidarität mit Chiapas ---
31. Dezember 2009

Die Freude war gross: Die zuständige Bundesrichterin im Fall Juan Manuel Martínez gewährte am 30. Dezember 2009 auch den zweiten Einspruch der Verteidigung und anerkannte die Unschuld des APPO-Aktivisten, der seit über 14 Monaten in Haft sitzt.

Juan Manuel, 36, dreifacher Vater und Bäcker von Beruf, war eine zentrale Stimme der Opposition gegen die regierende PRI in der Gemeinde Santa Lucia del Camino. In diesem Vorort von Oaxaca Stadt kam Brad Will, US-amerikanischer Indymedia-Journalist, auf dem Höhepunkt des Aufstandes in Oaxaca Ende Oktober 2006 um, als Bewaffnete eine Barrikade der Volksbewegung APPO angriffen. Als US-Bürger wurde Brad Will zum prominentesten der 24 Opfer der blutigen Aufstandsbekämpfung, mit der die „Kommune von Oaxaca“ nach sechs Monaten ihr Ende fand.

Die Angreifer wurden von Brad Will selber gefilmt, sie gehören zu den lokalen PRI-Strukturen. Zwei von ihnen wurden kurz nach dem Mord verhaftet, aber nach einigen Tagen angeblich mangels Beweisen wieder freigelassen. Nachdem die USA die über eine Milliarde US-Dollar im Rahmen des Plan Mérida zur militärischen Bekämpfung des Drogenhandels an eine glaubwürdige Untersuchung des Mordes an dem US-Bürger Brad Will knüpfte, fand man zwei Jahre später doch noch einen praktischen Schuldigen: Juan Manuel.

Der hartnäckigen juristischen Verteidigung durch das „Comité 25 de noviembre“ und der Mobilisierungen der Bewegung zugunsten von Juan Manuel ist es zu verdanken, dass das Bauernopfer Juan Manuel wohl bald freikommt. Den Drohungen und Übergriffen gegen Juan Manuel, seine Familie und seine Verteidigung zum Trotz.

Nun ist Juan Manuel in diesem diplomatisch hoch sensiblen Fall auf ganzer Linie freigesprochen. Doch er ist immer noch eine „Geisel des Staates“, so seine Verteidigung. Denn der Bundespolizei PGR steht noch eine letzte Rekursmöglichkeit von 10 Arbeitstagen zu, um seine Freilassung zu verzögern, allerdings fehlen ihr nach der vollständigen Freisprechung jegliche Argumente dafür. Damit Juan Manuel möglichst bald freikommt, hat die Lehrergewerkschaft Mobilisierungen angekündigt und das „Comité 25 de noviembre“ einen Unterstützungsbrief verfasst.

Der Staat ist versucht, nach der Freilassung von Juan Manuel weitere Unschuldige aus der sozialen Bewegung für den Mord an Brad Will einzusperren. Geschieht dies, und kommen diese wieder nach längeren zermürbenden Prozessen frei, dann würde der Mord an Brad Will wohl endgültig ad acta gelegt, denn nach drei erfolglosen Untersuchungen sieht die mexikanische Gesetzgebung die Einstellung der Ermittlungen vor. Ein weiterer Fall krasser Straflosigkeit, und dies, obwohl die Täter vom Opfer selber auf Film gebannt wurden.
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